Hallo Ihr Lieben.
Hirsch heiß ich
Der letzte Beitrag zum Jahresprojekt 2025 begann mit einem Witz. Dieser Beitrag, der erste Projektbeitrag zum Thema „von Zwergen und Riesen im Wald“ auch. Sagt 3x ganz schnell hintereinander die 3 Worte oben auf. Habt Ihr früher auch wen damit veräppeln wollen? Na, die meisten kannten oder erkannten die Falle.
Heute soll es um eines unserer größten Waldtiere gehen, welches ganz viele sicher kennen. Aber vielleicht möchtet Ihr noch mehr über dieses majestätische Tier (Übrigens Wildtier des Jahres) erfahren, welches auch in vielen Sagen (Religionen) vorkommt. Ich bringe dieses Mal zwei Beiträge, denn „seid gewarnt“, es wird länger 😉
Rothirsche sind Herdentiere und ursprünglich auf offener Landschaft, bzw wenig bewaldetem Gebiet beheimatet. Der Mensch hat sie, da er das offene Land vermehrt nutzen wollte, immer mehr in den Wald gedrängt. Die Rothirsche sind in Deutschland nur in bestimmten (Wald) Forst Gebieten erlaubt. Auf die Gründe gehe ich später ein.
Er gehört zu den echten Hirschen, Gattung Edelhirsche.

Der Rothirsch (Cervus elaphus, Familie: Hirsche) ist unsere größte, regelmäßig vorkommende Hirschart (auf etwa 25 Prozent der Fläche). Ihr habt sicher gleich ein Bild vor Augen, von einem Tier mit einem ausladenden Geweih.
Dieses „Bild“ wird ja auch sehr fleißig genutzt:




Der männliche Hirsch trägt ein Geweih: prunkvolle Stirnwaffen, die imponieren sollen und bei der Brunft auch eingesetzt werden! Lässt sich ein Rivale nicht durch Imponiergehabe vertreiben, krachen die Geweihe der Gegner gegen- und ineinander. Das Geweih dient auch der Verteidigung gegen Raubtiere (Wölfe zB).
Im Zeitraum Februar – März wirft der Hirsch sein Geweih ab, dafür sorgen Hormone und Fresszellen. Danach schiebt er aber fast sofort ein neues. Vor allem ältere, männliche Tiere machen das jedes Jahr. An den Rosenstöcken (so werden diese Knubbel oben am Kopf genannt) kommen die Stangen wieder heraus. Sie bestehen aus Knochensubstanz und kosten den Rothirsch ganz viel Kraft. Dabei ist das neue Geweih noch von einer stark durchblutenten und versorgenden Haut (Bast) bezogen. Nach etwa 140 Tagen ist das Geweih fertig und diese Haut stirbt ab und wird an Ästen abgeschrubbt (gefegt). Das sieht etwas gruselig und blutig aus. Die Stangen sind weiß und werden erst durch Pflanzensäfte braun.
Geweihstadien:

Aber nichts im Wald wird verschwendet. Vor allem Nagetiere nagen und fressen die alten Stangen sehr gern. Sie sind voller wichtiger Mineralien. Solltet Ihr mal eine Abwurfstange finden, lasst sie liegen, sie gehört immer noch ins Jagdrecht und damit dem Jäger. Aber die Wahrscheinlichkeit ist gering, die Nager kümmern sich sehr ausgiebig und schnell darum.
Wußte Ihr, dass der Hirsch sogar (ein) Grund für die französische Revolution war. Ok, vielleicht übertrieben, aber die Umstände drum herum waren es. Das Jagdrecht im Mittelalter splittete die Tiere in Hoch- und Niederwild. Das Kaninchen war das Größte, was vielleicht mal vom niederen Volk erlegt werden durfte. Nachdem im frühen Mittelalter der Wald von allen Menschen für ganz viele Bereiche genutzt wurde, hielten irgendwann immer mehr Adlige die Hand über den Wald. Es wurde der sogenannte Wildbann ausgesprochen und viele Waldbereiche in Forst umgewandelt. Wald in Gewinn umwandeln und eben auch für die eigene Jagd zu nutzen hies das. Das Besondere war natürlich der Hirsch und die Jagd um/ab 1500 war sehr oft ein einziges, blutiges Vergnügen. Bauern durften u.A. keine Schutzzäune aufstellen, so dass eine ungehindert Hetzjagd stattfinden konnte, die die Felder verwüstete. Auch so alte Rechte wie die Nutzung als Mastwald fiel weg. Viele Gemeine mussten als Treiber dienen und Wilderer wurden grausam bestraft. Und das einem Volk, das hungert! Da brauche ich wohl nicht näher drauf eingehen, warum dann der Hirsch wie ein rotes Tuch wirkte. Aber nach den Revolutionen (beginnend mit der französischen) und den Bauernaufständen waren auch einfache Leute bewaffnet und schossen nun so viele Hirsche (und anderes Hochwild) wie sie bekommen konnten und rotteten sie fast aus.

Der Hirsch ist nicht umsonst das Lieblingstier des Adels. Der König des Waldes. So imposant: männliche Tiere sind von Kopf zum Rumpf 180 bis 205 cm, die weiblichen bei 165 bis 180 cm (und ein 14 bis 16 cm langer Schwanz). Die Schulterhöhe beträgt 105 bis 130 und die Weibchen 95 bis 115 cm. Das Gewicht fängt bei 80 kg und kann bei männlichen Tieren bis zu 200kg gehen. Denn die Tiere passen sich in Europa den Bedingungen an und so schwankt die Größe.
Die männlichen Exemplare erreichen ihr Maximum an Gewicht kurz vor der Brunft, der Paarungszeit, dann stößt es zu „seiner“ Herde. In der Brunftzeit ist vor allem das männliche Leittier nur darauf fixiert, seine weiblichen Tiere zusammen zu halten und darauf zu achten, dass er der einzige ist, der seine Weibchen begattet. Junge Männchen leben manchmal noch bei der Herde, werden sozusagen geduldet, auch auf die muss der „Chef“ aufpassen. Sie würden ihre Chancen sofort nutzen. Aber vor allem auf wandernde Rivalen, die gerade keine Herde haben, gilt es zu achten. In diesem Zeitraum nehmen die Hirsche etwa 25% ab, sie fressen nicht und manchmal tragen sie von ihren Kämpfen auch Verletzungen davon. Die Brunft findet etwa ab September bis Ende Oktober statt. Dann kann es passieren, dass Ihr ein wirklich furchterregendes Gebrüll (Röhren Link Höhrspielbox) hört, wenn Ihr in einem Gebiet wandert, wo es Rotwild gibt.
In der Brunftzeit ist das rötlich-braune Haar um Schulter und Hals des Männchens noch mal länger, imposanter. Den „Platzhirschen“ erkennt man definitiv. Das Haar der Hirsche am Hals wird mit dem Alter auch außerhalb der Brunft üppiger, genau wie das Geweih. Kein Wunder, wird diese Vokabel „Platzhirsch“ auch auf Menschen (oder evtl. Firmen) angewendet.
Im Winter wird als Schutz vor der Kälte das Haar eher dick, gelblich-braun und auch länger. Darunter wächst im Winter wärmende Unterwolle, dann sehen sie recht struppig aus. Außerdem ist das einzelne Haar hohl. Eine geniale Erfindung der Natur gegen Kälte: Luftpolster. Im Frühling liegt das nun überflüssige Haar dann im Wald und ist perfektes Nestpolstermaterial.
Rotwild kann sehr gut sehen und hören, sie achten als Fluchttiere dauernd auf ihre Umgebung und schrecken durch äußere Umstände schnell auf. Etwas, was viele Herdentiere auf den übersichtlichen Flächen haben. Ich überlege gerade, eigentlich müsste es oben „König der weiten Ebene“ heißen.
Das Sozialverhalten dieser Herdentiere ist stark ausgeprägt. Die Herde wird außerhalb der Brunft von einer starken Hirschkuh geführt. Allerdings werden schwache Tiere eher ausgegrenzt und so schneller Beute. Die Kälber werden im Mai/Juni geboren. Die Größe des Rudels hängt vom Lebensraum und der Nahrung ab. Ich erzählte ja schon, dass die Tiere von der Freifläche in den Wald gedrängt wurden und das es nur gesetzlich vorgeschriebene Gebiete für sie gibt. Wiesen waren ja immer mehr anderweitig gebraucht worden. Wohnfläche, Industriefläche und Landwirtschaft wurden immer mehr benötigt.
Aber nun gab/gibt es das Problem, dass Rotwild gerne Baumspitzen fressen und Baumrinden abschälen.
Für einen Baum in einem Nutzwald ist das eine starke Verletzung. Wenn der junge Baum es überlebt, schlägt er stärker aus, verzweigt sich üppiger, wächst eher etwas krüppelig. Das kann zwar für Tiere viel interessanter werden: in mehreren Astgabeln findet sich gut Platz für Nester und Kobel. Auch entstehen so Lichtungen oder lichtere Waldabschnitte und damit neue Lebensnischen für Blumen, lichtliebende Pflanzen und Lebensraum für viele kleinere Tiere. Nicht nur Nadewälder sind dunkel. Unter großen Buchen ist es auch lichtarm, daß vergessen wir manchal. Eine Lichtung heißt nicht umsonst so. All die Tiere und Pflanzen, die dann wieder mehr Lebensraum dort finden, freuen sich. In einem Forst, der Holz für Möbel uÄ bringen soll, sind die vielen Astlöcher und vor allem krummer Wuchs aber ein Problem. Und wenn Jungpflanzen eingehen, müssen sie nachgepflanzt werden. Also werden Hirsche nur in bestimmten Gebieten geduldet. Diese haben aber oft keine Verbindung zueinander und Rotwild, daß außerhalb unterwegs ist, muss nach den gesetzlichen Vorgaben geschossen werden. Das „Inselleben“ führt manchmal durchaus zu genetischer Verarmung. Etwa 220.000 Tiere leben in verschiedenen Landesteilen, Tendenz steigend. Etwa ein Drittel sollte nach gesetzlichen Vorgaben durch Jagd entnommen werden.
Hirsche werden nämlich durch Unruhe schnell tiefer in den Wald getrieben. Immer mehr Menschen suchen Freizeitmöglichkeiten zwischen den Bäumen. Das Rotwild findet im dichten Wald erstens weniger Nahrung (Gras, aber auch Kräuter, Getreide, Beeren, Pilze und Waldfrüchte wie Bucheckern, Kastanien und Eicheln stehen auf dem Speiseplan. Und eben auch sehr gerne Baumknospen. Die Nahrung ist stark faserhaltig) Rotwild sind Wiederkäuer und brauchen dafür ihre Ruhe. Wenn sie unruhig sind und auch wenn sie Hunger haben, schälen Hirsche großflächig Baumrinde, vor allem Laubbäume. Das schadet dem Baum natürlich. Pilze dringen ein und selbst wenn der Baum nicht abstirbt, ist das Holz durch den Pilz nicht zu gebrauchen. Durch Bejagung versucht man die Herden im Bestand konstant zu halten. Wo der Luchs sich wieder eingelebt hat, wurde festgestellt, dass sich dies positiv auswirkt. Der Lauerjäger sorgt dafür, dass sich die Tiere stärker, aber ruhig, verteilen und durch eine geringeren Konzentration kommt es nicht mehr zu so starken Verbissen.
Hirsche suhlen sich zur Körperpflege und graben so Wasserkuhlen. Auch das sind neue Lebensräume. Die Mini Tümpel werden von vielen Insekten genutzt, zB Libellen laichen dort.
„Von Riesen und Zwergen im Wald“

Dieses Urzeit Riesenhirsch Skelett kennt jeder, der schon einmal im Museum König in Bonn war! Gerade wird er zum ersten Mal zu einer Ausstellung nach Oberhausen versendet. Unsere Jungs haben ihn als Kinder immer im Museum gesucht, wenn wir dort waren.
In der Urzeit haben viele große Tiere, wie Wisent, Pferd, Auerochsen und eben auch diese Riesenhirsche die Landschaft mitgestaltet.
Es gibt noch etwas mehr über den Hirsch aus Sagen und Märchen zu berichten. Da dieser Beitrag schon recht lang geworden ist, kommt dazu einen extra Beitrag einen Tag später.
Danke Euch fürs Durchhalten, aber ich hoffe, es hat Euch auch gefallen.
Verlinkt bei der Sammlung unserer Jahresprojekte von Andrea Zitronenfalterin

Und beim Samstagsplausch und creativsalat

Spannend. Na, da bekomme ich das Skelett ja auch bald mal zu sehen. Wenn auch nicht in seinem zu Hause“. LG und d ein schönes Wochenende!
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Das Skelett ist einfach wirklich imponierend. Auf die Ausstellung freue ich mich auch schon.
Sende Dir Dank und liebe Wochenendgrüße zurück
Nina
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Das war interessant zu lesen, habe ich mich doch mit diesem prächtigen Tier nicht wirklich befasst. ( Aber andere, die jagen: So bin ich letztes WE zu Hirschmedaillons gekommen… )
Dafür hab ich als Jugendliche solche Heimatschmonzetten gelesen, da kam der Hirsch immer vor. Und die Geweihe hingen in vielen Stuben, die fand ich spannend. Aber Rot- & Damwild könnte ich nicht sicher unterscheiden.
Deine Druckstöcke sind wieder mal beeindruckend!
Bon week-end!
Astrid
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Doch, ich bin mir sicher in den meisten Fällen könntest Du Rot- von Damwild (viel kleiner, die männlichen Tieren haben Schaufeln in den Geweihstangen und das Fell ziert manchmal weiße Flecken)
Oh ja, kein „Heimatfilm“ ohne Hirsche, da sind wir ziemlich speziell mit unserer Waldliebe. Habe ich als Kind auch oft geschaut.
Dankeschön, sende liebe Wochenendgrüße zurück.
Nina
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gerade gestern sind wir an einem wildgehege vorbeigekommen und ich konnte wieder einmal den weißen hirsch fotografieren (kommt morgen…). dein beitrag ist sehr interessant und ich wusste so einiges bisher nicht. besonders die geschichte aus dem mittelalter ist ganz schön gruselig.
deine stempel sind natürlich genial und der hirsch mit mond ist dir ganz toll gelungen!
liebe grüße und eine schönes wochenende, mano
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Bin gespannt ob Du einen Rothirsch oder Dammhirsch (wahrscheinlicher) gesehen hast. Mehr dazu gibt es morgen.
Ja, die Jagdgeschichten aus Mittelalter bis zur Renaissance sind vielfach noch gruseliger, aber das reichte auch so.
Danke Dir und sende liebe Grüße zurück
Bis morgen 😊
Nina
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