Jahresprojekt 2026, Von Riesen und Zwerge im Wald

Hallo Ihr Lieben.

Geschichten vom Waldnetzwerk, von bekannten und eher unbekannten Tieren, von großen und kleinen Lebewesen in unseren Wäldern, dass soll mein neues Jahresprojekte werden.

Dieses Jahr möchte ich Euch mehr in die Tiefen des Lieblings- und Sehnsuchtsort ganz vieler Menschen mitnehmen. Eigentlich logisch, denn ich habe Euch schon viele Tiere aus diesem Lebensraum vorgestellt in meiner mitlerweile fast 11 jährigen Blogzeit. Eine Fortsezungsgeschichte über Fuchs und Dachs und ihr Miteinander ist entstanden. (Ob es da noch mehr gibt, weiß ich noch nicht) Auch die Pflanzenwelt wird sicher mit hinein genommen, denn ohne sie gibt es ja keinen Wald.

Es gibt auch so viele Geschichten, Märchen und Mythen um den Wald und seine Bewohner. Die gehören immer mit in die Beiträge. Der tiefe, dunkle Wald, vor dem man Angst hat, der grüne, frische Wald, in dem die Menschen waldbaden. Die Eule, die uns fasziniert und wenn wir ihren Ruf im Dunkeln hören, erschrecken wir.

Es gibt so vieles zu berichten.

Ich bin gespannt, was alles an verschiedenen Projekten bei Ihr zusammen kommen.

Und gerade habe ich entdeckt, dass das Museum im Gasometer die gleiche Idee hatte. 😉

Damit kann ich natürlich nicht mithalten (vielleicht schaffe ich die meisten Artikel vorher zu schreiben, damit ich nicht zu sehr beeinflußt werde, denn ich möchte auf alle Fälle nach Oberhausen in die Ausstellung)

Rothirsch

Hallo Ihr Lieben.

Hirsch heiß ich

Der letzte Beitrag zum Jahresprojekt 2025 begann mit einem Witz. Dieser Beitrag, der erste Projektbeitrag zum Thema „von Zwergen und Riesen im Wald“ auch. Sagt 3x ganz schnell hintereinander die 3 Worte oben auf. Habt Ihr früher auch wen damit veräppeln wollen? Na, die meisten kannten oder erkannten die Falle.

Heute soll es um eines unserer größten Waldtiere gehen, welches ganz viele sicher kennen. Aber vielleicht möchtet Ihr noch mehr über dieses majestätische Tier (Übrigens Wildtier des Jahres) erfahren, welches auch in vielen Sagen (Religionen) vorkommt. Ich bringe dieses Mal zwei Beiträge, denn „seid gewarnt“, es wird länger 😉

Rothirsche sind Herdentiere und ursprünglich auf offener Landschaft, bzw wenig bewaldetem Gebiet beheimatet. Der Mensch hat sie, da er das offene Land vermehrt nutzen wollte, immer mehr in den Wald gedrängt. Die Rothirsche sind in Deutschland nur in bestimmten (Wald) Forst Gebieten erlaubt. Auf die Gründe gehe ich später ein.

Er gehört zu den echten Hirschen, Gattung Edelhirsche.

Den weißen Mond in dem frischgeschnitzten Stempel möchte ich noch zu niwibos Linkparty bringen

Der Rothirsch (Cervus elaphus, Familie: Hirsche) ist unsere größte, regelmäßig vorkommende Hirschart (auf etwa 25 Prozent der Fläche). Ihr habt sicher gleich ein Bild vor Augen, von einem Tier mit einem ausladenden Geweih.

Dieses „Bild“ wird ja auch sehr fleißig genutzt:

Weihnachtsmarkt Maskottchen

Deko

Stempel (schon etwas älter)

Ein Linoldruck von mir

Der männliche Hirsch trägt ein Geweih: prunkvolle Stirnwaffen, die imponieren sollen und bei der Brunft auch eingesetzt werden! Lässt sich ein Rivale nicht durch Imponiergehabe vertreiben, krachen die Geweihe der Gegner gegen- und ineinander. Das Geweih dient auch der Verteidigung gegen Raubtiere (Wölfe zB).

Im Zeitraum Februar – März wirft der Hirsch sein Geweih ab, dafür sorgen Hormone und Fresszellen. Danach schiebt er aber fast sofort ein neues. Vor allem ältere, männliche Tiere machen das jedes Jahr. An den Rosenstöcken (so werden diese Knubbel oben am Kopf genannt) kommen die Stangen wieder heraus. Sie bestehen aus Knochensubstanz und kosten den Rothirsch ganz viel Kraft. Dabei ist das neue Geweih noch von einer stark durchblutenten und versorgenden Haut (Bast) bezogen. Nach etwa 110 – 140 Tagen ist das Geweih fertig und diese Haut stirbt ab und wird an Ästen abgeschrubbt (gefegt). Das sieht etwas gruselig und blutig aus. Die Stangen sind weiß und werden erst durch Pflanzensäfte braun.

Geweihstadien:

Spießer = Einjähriger, Sechser = Dreijähriger, je kapitaler und fortschreitend im Alter, um so größer kann das Geweih werden

Aber nichts im Wald wird verschwendet. Vor allem Nagetiere nagen und fressen die alten Stangen sehr gern. Sie sind voller wichtiger Mineralien. Solltet Ihr mal eine Abwurfstange finden, lasst sie liegen, sie gehört immer noch ins Jagdrecht und damit dem Jäger. Aber die Wahrscheinlichkeit ist gering, die Nager kümmern sich sehr ausgiebig und schnell darum.

Wußte Ihr, dass der Hirsch sogar (ein) Grund für die französische Revolution war. Ok, vielleicht übertrieben, aber die Umstände drum herum waren es. Das Jagdrecht im Mittelalter splittete die Tiere in Hoch- und Niederwild. Das Kaninchen war das Größte, was vielleicht mal vom niederen Volk erlegt werden durfte. Nachdem im frühen Mittelalter der Wald von allen Menschen für ganz viele Bereiche genutzt wurde, hielten irgendwann immer mehr Adlige die Hand über den Wald. Es wurde der sogenannte Wildbann ausgesprochen und viele Waldbereiche in Forst umgewandelt. Wald in Gewinn umwandeln und eben auch für die eigene Jagd zu nutzen hies das. Das Besondere war natürlich der Hirsch und die Jagd um/ab 1500 war sehr oft ein einziges, blutiges Vergnügen. Bauern durften u.A. keine Schutzzäune aufstellen, so dass eine ungehindert Hetzjagd stattfinden konnte, die die Felder verwüstete. Auch so alte Rechte wie die Nutzung als Mastwald fiel weg. Viele Gemeine mussten als Treiber dienen und Wilderer wurden grausam bestraft. Und das einem Volk, das hungert! Da brauche ich wohl nicht näher drauf eingehen, warum dann der Hirsch wie ein rotes Tuch wirkte. Aber nach den Revolutionen (beginnend mit der französischen) und den Bauernaufständen waren auch einfache Leute bewaffnet und schossen nun so viele Hirsche (und anderes Hochwild) wie sie bekommen konnten und rotteten sie fast aus.

mittig liegt ein Jungtier, ein Kalb, die weiblichen Tiere werden Kühe genannt, das Foto habe ich an eine Gatter gemacht

Der Hirsch ist nicht umsonst das Lieblingstier des Adels. Der König des Waldes. So imposant: männliche Tiere sind von Kopf zum Rumpf  180 bis 205 cm, die weiblichen bei 165 bis 180 cm (und ein 14 bis 16 cm langer Schwanz). Die Schulterhöhe beträgt 105 bis 130 und die Weibchen 95 bis 115 cm. Das Gewicht fängt bei 80 kg und kann bei männlichen Tieren bis zu 200kg gehen. Denn die Tiere passen sich in Europa den Bedingungen an und so schwankt die Größe.

Die männlichen Exemplare erreichen ihr Maximum an Gewicht kurz vor der Brunft, der Paarungszeit, dann stößt es zu „seiner“ Herde. In der Brunftzeit ist vor allem das männliche Leittier nur darauf fixiert, seine weiblichen Tiere zusammen zu halten und darauf zu achten, dass er der einzige ist, der seine Weibchen begattet. Junge Männchen leben manchmal noch bei der Herde, werden sozusagen geduldet, auch auf die muss der „Chef“ aufpassen. Sie würden ihre Chancen sofort nutzen. Aber vor allem auf wandernde Rivalen, die gerade keine Herde haben, gilt es zu achten. In diesem Zeitraum nehmen die Hirsche etwa 25% ab, sie fressen nicht und manchmal tragen sie von ihren Kämpfen auch Verletzungen davon. Die Brunft findet etwa ab September bis Ende Oktober statt. Dann kann es passieren, dass Ihr ein wirklich furchterregendes Gebrüll (Röhren Link Höhrspielbox) hört, wenn Ihr in einem Gebiet wandert, wo es Rotwild gibt.

In der Brunftzeit ist das rötlich-braune Haar um Schulter und Hals des  Männchens noch mal länger, imposanter. Den „Platzhirschen“ erkennt man definitiv. Das Haar der Hirsche am Hals wird mit dem Alter auch außerhalb der Brunft üppiger, genau wie das Geweih. Kein Wunder, wird diese Vokabel „Platzhirsch“ auch auf Menschen (oder evtl. Firmen) angewendet.

Im Winter wird als Schutz vor der Kälte das Haar eher dick,  gelblich-braun und auch länger. Darunter wächst im Winter wärmende Unterwolle, dann sehen sie recht struppig aus. Außerdem ist das einzelne Haar hohl. Eine geniale Erfindung der Natur gegen Kälte: Luftpolster. Im Frühling liegt das nun überflüssige Haar dann im Wald und ist perfektes Nestpolstermaterial.

Rotwild kann sehr gut sehen und hören, sie achten als Fluchttiere dauernd auf ihre Umgebung und schrecken durch äußere Umstände schnell auf. Etwas, was viele Herdentiere auf den übersichtlichen Flächen haben. Ich überlege gerade, eigentlich müsste es oben „König der weiten Ebene“ heißen.

Das Sozialverhalten dieser Herdentiere ist stark ausgeprägt. Die Herde wird außerhalb der Brunft von einer starken Hirschkuh geführt. Allerdings werden schwache Tiere eher ausgegrenzt und so schneller Beute. Die Kälber werden im Mai/Juni geboren. Die Größe des Rudels hängt vom Lebensraum und der Nahrung ab. Ich erzählte ja schon, dass die Tiere von der Freifläche in den Wald gedrängt wurden und das es nur gesetzlich vorgeschriebene Gebiete für sie gibt. Wiesen waren ja immer mehr anderweitig gebraucht worden. Wohnfläche, Industriefläche und Landwirtschaft wurden immer mehr benötigt.

Aber nun gab/gibt es das Problem, dass Rotwild gerne Baumspitzen fressen und Baumrinden abschälen.

Für einen Baum in einem Nutzwald ist das eine starke Verletzung. Wenn der junge Baum es überlebt, schlägt er stärker aus, verzweigt sich üppiger, wächst eher etwas krüppelig. Das kann zwar für Tiere viel interessanter werden: in mehreren Astgabeln findet sich gut Platz für Nester und Kobel. Auch entstehen so Lichtungen oder lichtere Waldabschnitte und damit neue Lebensnischen für Blumen, lichtliebende Pflanzen und Lebensraum für viele kleinere Tiere. Nicht nur Nadewälder sind dunkel. Unter großen Buchen ist es auch lichtarm, daß vergessen wir manchal. Eine Lichtung heißt nicht umsonst so. All die Tiere und Pflanzen, die dann wieder mehr Lebensraum dort finden, freuen sich. In einem Forst, der Holz für Möbel uÄ bringen soll, sind die vielen Astlöcher und vor allem krummer Wuchs aber ein Problem. Und wenn Jungpflanzen eingehen, müssen sie nachgepflanzt werden. Also werden Hirsche nur in bestimmten Gebieten geduldet. Diese haben aber oft keine Verbindung zueinander und Rotwild, daß außerhalb unterwegs ist, muss nach den gesetzlichen Vorgaben geschossen werden. Das „Inselleben“ führt manchmal durchaus zu genetischer Verarmung. Etwa 220.000 Tiere leben in verschiedenen Landesteilen, Tendenz steigend. Etwa ein Drittel sollte nach gesetzlichen Vorgaben durch Jagd entnommen werden.

Hirsche werden nämlich durch Unruhe schnell tiefer in den Wald getrieben. Immer mehr Menschen suchen Freizeitmöglichkeiten zwischen den Bäumen. Das Rotwild findet im dichten Wald erstens weniger Nahrung (Gras, aber auch Kräuter, Getreide, Beeren, Pilze und Waldfrüchte wie Bucheckern, Kastanien und Eicheln stehen auf dem Speiseplan. Und eben auch sehr gerne Baumknospen. Die Nahrung ist stark faserhaltig) Rotwild sind Wiederkäuer und brauchen dafür ihre Ruhe. Wenn sie unruhig sind und auch wenn sie Hunger haben, schälen Hirsche großflächig Baumrinde, vor allem Laubbäume. Das schadet dem Baum natürlich. Pilze dringen ein und selbst wenn der Baum nicht abstirbt, ist das Holz durch den Pilz nicht zu gebrauchen. Durch Bejagung versucht man die Herden im Bestand konstant zu halten. Wo der Luchs sich wieder eingelebt hat, wurde festgestellt, dass sich dies positiv auswirkt. Der Lauerjäger sorgt dafür, dass sich die Tiere stärker, aber ruhig, verteilen und durch eine geringeren Konzentration kommt es nicht mehr zu so starken Verbissen.

Hirsche suhlen sich zur Körperpflege und graben so Wasserkuhlen. Auch das sind neue Lebensräume. Die Mini Tümpel werden von vielen Insekten genutzt, zB Libellen laichen dort.

„Von Riesen und Zwergen im Wald“

Dieses Urzeit Riesenhirsch Skelett kennt jeder, der schon einmal im Museum König in Bonn war! Gerade wird er zum ersten Mal zu einer Ausstellung nach Oberhausen versendet. Unsere Jungs haben ihn als Kinder immer im Museum gesucht, wenn wir dort waren.

In der Urzeit haben viele große Tiere, wie Wisent, Pferd, Auerochsen und eben auch diese Riesenhirsche die Landschaft mitgestaltet.

Es gibt noch etwas mehr über den Hirsch aus Sagen und Märchen zu berichten. Da dieser Beitrag schon recht lang geworden ist, kommt dazu einen extra Beitrag einen Tag später.

Danke Euch fürs Durchhalten, aber ich hoffe, es hat Euch auch gefallen.

Verknüpfungen im Biotop Wald (Abbildung aus dem Museum König)

Mystischer Herr der Wälder

Hallo Ihr Lieben.

Wie ich Euch schon ankündigte, kommt nun die sagenhafte und mystische Seite des Rothirsches. Es gibt so viele Geschichten, Sagen und Mythen, dass ich die nicht in den letzten Beitrag quetschen wollte.

Ihr könnt Euch sicher vorstellen,  dass alleine das prächtige Aussehen der Tiere unsere Vorfahren inspiriert hat. Die bekanntesten habe ich nun versucht,herauszusuchen.

Es gibt Überlieferungen, bzw Fundstücke aus Druidenzeiten, in denen diese früher Hirschgeweihe trugen, (Abbildungen auf Gefäßen und Figuren), Zähne der Tiere waren Grabbeigaben. Die Thraker verehrten den Gott Cerunnon, welcher ein Hirschgeweih trug. (Link und Link Wikipedia und Link Archäologie online)

Unsere Vorfahren sahen im regelmäßigen Abwerfen und in der jährlichen Neubildung der Geweihstangen ein Abbild der natürlichen Zyklen von Anfang und Ende, aus Licht und Dunkelheit. Der Hirsch wurde zu einem Sonnentier, Fruchtbarkeits- und Glückssymbol. Aber manchmal auch ein Führer, der zur Unterwelt geleitete.

auch ein neues Kartenmotiv

In der germanische Edda gibt es den Hirsch „Eikthyrnir“, der in Walhall vom Laub des Baumes Lärad äst. Und die vier Hirsche „Dain“, „Dwalin“, „Duneyr“, „Dyrathor“ fressen die Knospen der Weltesche Yggdrasil ab. In ihren Geweihen sammelt sich der Morgentau und dort entspringen dann die Flüsse der Welt. Wodans wilde Jagd (Rauhnächte) wurde von einem Wagen, gezogen von Hirschen, angeführt.

Eher bekannt ist Euch wohl aus den griechischen Heldensagen die zwölf Aufgaben des griechischen Helden Herakles (nach erfolgreicher Beendigung der Aufgaben Herkules genannt) Eine davon war es, die Hirschkuh Kerynitis zu fangen, die ein goldenes Geweih trug, das Symbol des Lichtgottes Apollon.

Und in Circes Zauberwald lockte übrigens auch ein Hirsch.

Der römische Dichter Vergil beschreibt das Hirschgeweih als eine Opfergabe für die Licht- und Jagdgöttin Diana. Sie wird häufig in Begleitung einer Hirschkuh mit (goldenem) Geweih dargestellt. Artemis ist die griechische Variante, ebenfalls mit der Hirschkuh dargestellt. (Obwohl die ja eigentlich kein Geweih hätte, wobei es auch in Kunstdarstellungen dann Varianten ohne Geweih gibt)

Im Nibelungenlied ist überliefert, dass Siegfried von einer Hirschkuh gesäugt wurde, bevor ihn der Schmied Mime fand und zu sich nahm.

Eine sehr bekannte Geschichte dürfte wohl die um den heiligen Hubertus sein. Geboren wurde er um 655 als erster Sohn des Herzogs Bertrand von Toulouse in Aquitanien. Er ehelichte die Grafentochter Floribana von Löwen und zeugte mit ihr einen Sohn. Bei der Geburt dieses Kindes starb sie und Hubertus war so verzweifelt, dass er seinen Schmerz mit ständiger Jagdtätigkeiten zu betäuben suchte. Eine andere Version macht ihn nach dem Schicksalsschlag zum Einsiedler in den Ardennen, aber auch er wurde ein wilder Jäger. Als er an einem wichtigen Feiertag, Karfreitag oder Weihnachten, wieder auf die Jagd ging und einem besonders kapitalen Hirsch hinterher hetzte, geschah plötzlich das Wunder. Der Hirsch stellte sich, drehte sich um und Hubertus sah ein leuchtendes goldenes Kreuz zwischen den Geweihstangen. Eine (göttliche) Stimme warnte ihn vor zuviel weltlichen Ausschweifungen. Das war genug Warnung für den französischen Adligen. Er lies sich zum Priester weihen und wurde später sogar Bischof. Als Heiliger ist er nicht nur Patron der Jäger und Förster und sein Abbild zeigt ihn fast immer mit einem Hirsch(kopf) und Kreuz.

Eine lokal wohl bekannte Jäger-Anekdote des Schwarzwalds fand ich: am Höllental war es gefährlich, besonders an der Engstelle auf der Route vom Dreisamtal nach Breitnau und Hinterzarten. Nicht umsonst wurde der Ort „Höllpass“ genannt. Von der Burg Falkenstein aus machte sich ein Ritter auf zur Jagd. Alsbald entdeckte er einen prächtigen Rothirsch und hetzte hinterher. Immer weiter trieb er das Tier über die bewaldeten Steilhänge des Tals und auf einen schmalen Felsvorsprung zu. Schon glaubte er ihn stellen und schießen zu können und spannte seinen Bogen. Doch mit einem gewaltigen Satz sprang der Hirsch über die Klamm hinweg auf die andere Seite und verschwand im grünen Dickicht. Heute erscheint dies unmöglich, doch die Engstelle war früher lediglich neun Meter breit und für einen ausgewachsenen Hirsch durchaus kein Problem. Ähnliche Geschichten und Sagen gibt es nicht nur im Schwarzwald. Allerdings weiß ein Jäger auch heute noch, wie schwer es ist an das wilde Tier heran zu kommen ist, wenn man sich zu Pferde oder zu Fuß nähert, denn die guten Sinne warnen das das Rotwild früh.

Auch der Freiherrn von Münchhausen begegnete einem Hirschen auf der Jagd. Er hatte nur keine Patronen mehr dabei, also überlegte sich der Lügenbaron blitzschnell etwas, griff in seine Tasche und lud seine Flinte mit Kirschkernen. Münchhausen schoss dem prächtigen Hirsch eine Ladung Kirschkerne auf den Kopf, worauf dieser nicht umfiel, wie erhofft, sondern floh. Bei einer weiteren Begegnung ist dem edlen Tier in dessen Geweih ein Kirschbaum gewachsen.

Bei den nordamerikanischen Indigenen gibt es den Glauben an einen Sonnenhirsch.

J. W. Fortescue „Hirsche auf freier Wildbahn“ – Illustration Janusz Grabianski (den ich sehr mag) aus meinem Buch „Meine schönsten Märchen und Tiergeschichten“

Bei den Märchen gibt es einmal den Der goldene Hirsch (Link Märchen.com) von J. W Wolf bei den Hausmärchen (aber auch ein russische Variante) und Die beiden Königskinder (Link Grimmstories.com) in der Sammlung der Gebrüder Grimm.

Ein jagdlicher Aberglauben wirkt im hessischen Landkreis Kassel nach. Wer einen weißen Rothirsch tötet, stirbt innerhalb eines Jahres: Dieser Mythos und Aberglaube wirkt offenbar nach, denn hier gibt es besonders viele der sehr seltenen, edlen, weißen Tiere. (Beim Damhirsch gibt es die weiße Färbung sehr viel häufiger) Ein weißer Hirsch tritt in der Artussage als Beginn einer neuen Aufgabe auf.

Die Geschichte von Bambi kennt Ihr ja sicher auch. Der Autor Felix Salten veröffentlichte 1923 das o. g. Kinderbuch. Die Geschichte handelt von einem jungen Rehkitz, dessen Mutter bei einer Treibjagd ums Leben kommt. Nur, Reh und Hirsch sind etwas weiter entfernt verwandt und durch einen Fehler oder weil dieses Tier bekannter war, wurde der in den USA beheimatete Weißwedelhirsch als Vorlage für den Film genommen. Bei der Synchronisation zur deutschen Sprache wurde aus dem gezeichneten Hirschkalb wieder ein Rehkitz. Perfekte Verwirrung, oder?

Vor allem zur Weihnachtszeit kommt auch immer wieder der Hirsch vor und im ersten Artikel gestern habe ich Euch ja schon einige gezeigt.

Ich hoffe,  der mystische Part zum ersten Projektbeitrag hat Euch auch gefallen.

Der Rothirsch ist übrigens Wildtier des Jahres 2026.

Das Tier ist ein Symbol für Erneuerung,  Fruchtbarkeit, das Göttliche und Führung, wenn das nicht gerade von Bedeutung ist.

Der Schwarze und die Taube

Hallo Ihr Lieben.

Diesen Monat habe ich mir schwerpunktmäßig den größten heimischen Specht für mein Jahresprojekt rausgesucht.  Krähengroß, pechschwarz mit roter Mütze und einem sehr zurückgezogen Leben und auch noch eine Schlüsselart in unseren Wäldern, das ist der Schwarzspecht.

Schwarzspecht (Dryocopus martius), König der Spechte, Zimmermann oder Baumeister des Waldes, angesehen als „Gesundheitspolizei“, da er Holzschädlinge beseitigt.

Wir treffen den immer noch nicht so oft vorkommenden, großen Vogel gern in alte Laubwälder im Schwarzwald, den Mittelgebirgen, Schwäbichen Alb und Bayrischen Wald an. Die Zahl der Brutpaare wird in unterschiedlichen Quellen mit unterschiedlichen Zahlen zw 31.000 bis 51.000 und sogar 55.000 Brutpaaren angegeben. Dank des Schwarzspechtes ist die Artenvielfalt in diesen Wäldern besonders hoch: Viele andere Wildtiere sind als Nachmieter auf die geräumigen Höhlen unserer größten Spechtart angewiesen. Deswegen gehört dieser besondere Vogel zu einer der „Schlüsselarten“. Das sind besonders wichtige Tiere im Ökosystem. Erst einmal mehr zu diesem schönen Vogel:

Alter bis zu 14 Jahre

Gewicht 300g, größter europäischer Specht, 40cm Größe

Unverwechselbar macht diesen schwarzen Vogel der Haarschopf, der ist immer knallrot, beim Männchen als schmales Band, beim Weibchen als kleinerer Fleck am Hinterkopf. Die Augen fallen durch ihren weißen „Augenringe“ im schwarzen Gefieder auf. Auch der Schnabel ist hell.

Lautes Hämmern, bzw Trommeln tönt jetzt im Februar durch den Wald. Noch grenzt man/frau sich ernergisch gegen Artgenossen ab. Die Einzelgänger kommen sich nur sehr langsam näher, selbst wenn sie, als ehemaliges oder sich gerade bindendes Paar, nie allzuweit voneinander entfernt haben. Wie andere Spechte bauen sie mit ihrem Schnabel große Baumhöhlen. Sie schlagen außerdem hungrig die Gänge von Baumlarven auf, und selbst in der Balz ist das Hämmern an Baumstämmen ein wichtiges Ritual. Damit sie dabei keine Kopfschmerzen bekommen, sind im Kopf von Spechten diverse Stoßdämpfer eingebaut: die Stöße werden gleichmäßig auf den Ober- und Unterschnabel verteilt und durch schwammiges Knochengewebe an der Schnabelbasis abgefedert. Das reicht aber noch nicht aus, auch Augäpfel, Zungenbein und Halswirbel sind abfedernd dafür angelegt.

Um an einem Baumstamm hoch zu klettern und anhalten und loszuhämmern zu können, haben Spechtfüße eine weitere nach hinten gerichtete Zehe (2 vorn, 2 hinten) und besonders lange Schwanzfedern, mit denen sie sich am Baumstamm abstützen (Stützschwanz). Ein langer, mit stützenden Muskeln bepackte Hals, hilft zusätzlich zu schwammigen Knochenverbindungen.

Seine Zunge kann dieser Vogel  bis zu 5cm aus dem Schnabel heraus strecken. Die Zungenspitze ist klebrig und mit Widerhaken besetzt, so kann er die Insektenlarven aus ihren Holzgängen ziehen.

Zurück zu unserem Brutpaar: hat sich dieses zur Brut und Bruthöhle gefunden, gehört Trommeln natürlich auch weiterhin zur Balz. So sitzt ein Vogel innen, klopft, und der andere ist außen und klopft auch. Leise rufen sie sich dabei zu. Der Schwarzspecht hat übrigens besondere Rufe, (nicht das sonst bekanntere „Lachen“,) auch sein Trommeln klingt dunkler, hört mal „hier“ (deutsche Vogelstimmen.de) Ich finde, die klingen richtig schön exotisch.

Das Revier wird dann noch längere Zeit durch Rufe und Hämmern auf Resonanzkörper abgesteckt und verteidigt. Diese Vögel sind sonst aber Ruhe liebend, störungsanfällig und brauchen ihr großes Revier von ca 3 bis 4 Quadratkilometer pro Paar. Im April kommt es dann nach all diesen Ritualen zur Paarung: auf einem geeigneten Ast und mit Flügelzittern erfolgt die Kopulation.

Aquarelle von mir: erst mit Stiften, dann mit Wasser

Schwarzspechte suchen nicht nur nach Insektenlarven, vor allem im Sommer stehen Weg- und Holzameisen, auch Schnecken und vereinzelt Früchten auf dem Speiseplan. Die findet er vielfach im Todholz und unter Rinden. Im Winter kommen hauptsächlich  Waldameisen „auf den Teller“. Und hier kommt er gerade jetzt als wichtiger Vogel für den Waldbauern ins Spiel. Meist findet er diese nämlich in Fichten, die einen „rotfaulen“ Kern haben. Durchaus also ein Indiz, wenn vermehrte Specht Tätigkeiten dort stattfinden. Als Rotfäule bezeichnet man den anfänglich rötlichen Pilzbefall bei Nadelhölzern, dadurch wird dieser weiche Kern, der nun immer instabileren Bäume, die bevorzugte Wohnstätte der Ameisen:

So sieht die Ameisenburg nach der nötigen Fällung der instabilen Fichte aus

Seine Wohnräume sucht der Schwarzspecht aber ganz anders aus: hohe, alte und stabile Buchenbäume. Mindestens 40 cm Durchmesser, die für den Bau einer geräumigen Höhle genügend Raum geben. Im Alter von ca 100 Jahren bilden Buchen oft hallenartige Baumbestände mit einem hohen Kronendach. Wälder müssen also sowohl Nadel- als auch Buchenbäume für Schwarzspechte haben.

Die Bruthöhle befindet sich in 6 bis 20 Metern Höhe und so kann er ungehindert anfliegen. Seine Höhle baut der Schwarzspecht fast ausschliesslich in Buchen mit einem weissfaulen Kern. Ähnlich wie bei den Fichten sind diese von einem Pilz befallen. Dadurch wird der Kern faserig und für den Specht besser bearbeitbar. Von Außen ist der Befall eigentlich noch nicht zu sehen, aber der Schwarzspecht erkennt es an Vibrationen beim Trommeln und er findet auch die dünnere Seite für den Höhleneingang. Fast einen Monat brauchen sie zur Fertigstellung und wenn Ihr denkt, nun haben sie ausgesucht, dem ist nicht so. Ich erwähnte da ja schon oben, dass es Nachmieter gibt. Alle 3 bis 5 Jahre legen die Schwarzspechte zuerst nur einen kleinen Eingang an, der ausfault, fast wie eine Markierung. Erst Jahre später bauen sie den Eingang zu einer richtigen Höhle aus, erkennbar an der rechteckigen, bzw ovalen Höhlenöffnung, durch die die Vögel ein und ausfliegen können.

Diese Behausung wird clevere angelegt: es wird ein Oberrand über der Öffnung gelassen und aussen ein abgeschrägten Unterrand. Das schützt die Höhle vor einem Wassereinbruch. Manchmal wird so eine Buche auch mehrfach für Höhlen genutzt, bis sie nicht mehr stabil ist.

Die Schlafhölen fliegen die Vögel abends vor Sonnenuntergang an, begleitet von lauten “krrück, krrück…“ Flugrufen, wie ein wiederkehrendes Ritual. Die Schlafhöhlen von Weibchen und Männchen liegen oft mehrere 100 m auseinander. Im April legt das Weibchen 3-5 weiße, runde Eier in die Bruthöle und beide brüten Tagsüber, aber nur nachts brütet das Männchen, während das Weibchen in der eigenen Höhle übernachtet. Nach 13 Tagen schlüpfen die Küken. Ab dem 17. Tag füttern die Elternvögel aber unter dem Höhleneingang und ab dem 24. Tag nur noch an der Aussenseite der Höhle. So werden die Jungvögel herausgelockt und müssen ihre Kletterfähigkeiten üben, die sind nicht angeboren.

Das Schwarzspechtmännchen übernimmt mehr Aufzuchtarbeit, mit 28 bis 30 Tagen werden die Jungen von ihm in dichteres Unterholz geführt. Das Männchen füttert sie dort noch bis zu einem Monat lang, während die Jungvögel das Klettern weiter üben. Dann löst sich die Familie auf.

Oben habe ich geschrieben, dass der Schwarzspecht eine Schlüsselfunktion im Wald einnimmt. Sage und schreibe über 60 Tierarten sind als Nachnutzer oder Höhlen-Konkurrenten des Schwarzspechts bekannt. Eichhörnchen, Baummarder, Sperlings- und Raufusskauz, Kleiber, Dohle, Star, Fledermäuse, Hornissen und Wespen nutzen die Höhlen nicht nur zur Fortpflanzung. Der Laubbaum lebt ja auch noch länger weiter, viel länger, als die befallene Fichte. Vor alten, faulenden Höhlen entsteht mit der Zeit Mulch mit einer Ansammlung aus „Spechtguano“ und sich zersetzendem Holz. Neuer Lebensraum für zahlreiche Käferarten, darunter der äusserst seltene Juchtenkäfer oder der Eremit. Der Marder geht die Höhlen übrigens gerne plündern, kontrolliert sie auch noch jahrelang. Nicht so gut für Nachbrüter.

Warum ich die Hohltaube so hervorhebe? Jahrelang war der Schwarzspecht so selten, dass man fürchtete, er würde in Deutschland verschwinden. Und damit eben auch die Hohltaube. Denn sie „liebt“ Schwarzspechthöhlen, ist für die Brut darauf angewiesen. Sie versucht sie sogar dem Specht abspenstig zu machen, gleich wenn er sie gebaut hat. Da die Taube Nistmaterial in die Höhle schleppt, kann sie aber auch eine etwas marodere Höhle nutzen.

Hohltaubenlied (auch deutsche Vogelstimmen.de)

Diese Tauben sind mittlerweile auch Kulturfolger und manchmal in großen Parks zu hören, natürlich auch in Wäldern und sogar an der Küste (Steilhang als Brutgebiet wohl). Zivilisationsnah werden fehlende Baumhöhlen mittlerweile ausgeglichen mit ausreichend großen, extra aufgehängten Nistkästen. Viele Hohltauben nehmen diese gerne an. Sie sind sehr scheu und nicht so schnell zu entdecken, aber dagür zu hören. Wie der Name sagt, braucht sie eine Höhle zum Brüten. So gab es lange Jahre auch kaum Hohltauben. Früher wurden eben viel mehr die alten, „befallenen“ Bäume, das Totholz entfernt. Schon seit etlichen Jahren werden aber immer mehr Mischwälder geschützt und viele wissen, dass ein aufgeräumter Wald ein (fast) toter Wald ist. Der Erhalt von Altbäumen und Altholzinseln sowie Bäumen mit Großhöhlen, hat über nun einige Jahrzehnte zur Bestandserholung vor allem im Süddeutschen geführt.

(Beide Fotos sind aus meinem Naturführer)

Diese Taubenart ähnelt etwas der „Straßentaube“. Allerdings ist der Unterflügel und Rücken grau, während diese Bereiche bei der Felsen- und Straßentaube weiß sind. Sie bilden auch Kolonien und Schwärme, bzw schließt sich Schwärmen an. Die Nahrungssuche findet natürlich überwiegend in offeneren Bereichen statt. Früchte und Samen von Wildkräutern und Zapfen, auch Eicheln und Bucheckern landen im Kropf. Sicher gäbe es noch mehr über Fortpflanzung und Taubenleben zu berichten, aber näher möchte ich nicht auf sie eingehen, der Artikel ist ja auch wieder sehr lang geworden

So zeigt sich in vielfacher Hinsicht und für viele Tiere im Wald, wie wichtig es ist, dass wir ihnen auch etwas Raum lassen, aber auch in Ruhe lassen (zB. nicht von den Wegen abweichen). So entsteht eine ganze Kette von Lebensräume und ein viel intakteres Ökosystem. Wer das erkannt hat, hat auch einen gesündere Wald.

Übrigens, weil der Schwarzspecht recht kämpferisch daher kommt, ist der wissenschaftlicher Artenname martius (deutsch: dem Mars geweiht) dem römischen Kriegsgott „geweiht“. Aber auch dem Nebengott Picus, der eine landwirtschaftliche Gottheit war, die insbesondere mit der Düngung von Boden in Verbindung gebracht wurde, ist er verbunden.

Kurz in eigener Sache: ich weiß, KI ist verführerisch, aber ich nutze sie nach wie vor nicht. Ich lese in meinen Büchern, auf Forstseiten, Naturseiten von Verbänden/Vereinen und Naturparks, Wikipedia. Ich trage das Wissen für meinen eigenen Schädel 😉 zusammen und mag es, wenn daraus ein halbwegs guter Beitrag wird, mal besser mal schlechter, der dann (trotz Länge) auch weiterhin hoffentlich Euch gefällt.

Schwarzkittel

Hallo Ihr Lieben.

Das letzte Mal ging es vor allem um einen schwarzen, besonderen Vogel. Dieses Mal ist es ein schwarz – braunes Säugetier.

Ihr kennt sie sicherlich und habt beim Spitznamen „Schwarzkittel“ auch schon gewußt, um welche Tiere es geht: wilde Schweine.

Wildschweine (Sus scrofa)

Oft lest Ihr in den Medien über sie, gerade leider besonders oft über die Schweinepest, welche im Sauerland und Wittgensteinschen ausgebrochen ist. Oder es hat einen Wildunfall auf der Straße gegeben. Mitten in manchen Städten leben auch Rotten (so nennt man die Gruppen) und sorgen natürlich auch mal für Schlagzeilen, wenn sie bei der Nahrungssuche auch mal etwas zerstören.

Ein Waldtier, welches wirklich besonders interessant ist. Man könnte sicher ohne Probleme ein Buch über sie schreiben, 😉 (gibt es schon).

Sie malen gerne, sind sehr intelligent und folgen der stärksten Frau. Sie verfügen über Zeitgefühl und können „gute Menschen von bösen“ unterscheiden. Sie merken sich Begegnung und Erfahrung genau.

So vielseitig und anpassungsfähig sind sie fast überall unterwegs, auch in der Großstadt. Berlin ist da ein gutes Beispiel.

Paarhufer sind sie und gehören zur Familie der Schweine und sind die Vorfahren unserer Nutzschweine. Nach den Schafen waren sie wohl die älteste Domestizierung vor ca. 10.000 Jahren. Das Wort Schweine für diese Säugetierfamilie ist altgermanischen Ursprungs.

Ihr dichtes Fell mit starken Borsten, die im Sommer heller und braun-schwarz sind, werden im Winter dichter, länger, voller Unterwolle und überwiegend schwarz. Daher der umgangsprachige Name “Schwarzkittel” oder eben auch Schwarzwild.
Die Jungen, Frischlinge genannt, sind hellbraun und mit längsgestreiftem Fell ganz hervorragend getarnt. Die Größe der Erwachsenen Tiere schwankt in Abhängigkeit von der Region, auch innerhalb von Deutschland mit etwa 100 bis 150 kg. Die Gewichtsfrage hängt natürlich auch vom Futterangebot ab (über einen längeren Zeitraum). In osteuropäischen Ländern werden sie noch schwerer. Die einzelgängerischen, männlichen Tiere werden massiger und auch ihre Eckzähne, die seitlich so typisch gebogen aus dem Kiefer ragen, werden beim männlichen Tier (Eber) größer. Eckzähne dienen als Waffen bei Brunftkämpfen, die schwere Wunden verursachen können, nicht nur bei anderen Wildschweinen. Bei weiblichen Tieren sind diese nicht so stark ausgebildet. Wenn, dann haben die alten Tiere, die leitenden Sauen, stärkere Eckzähne.

mit Aquarellstiften gemalt

Die weibliche Tiere (Sau) leben in sozial sehr gut organisierten Gruppen. Eine erfahrene, starke Sau führt die hierarchisch aufgestellte Gruppe an. Sie hat am meisten Erfahrung, ist das körperlich größte, stärkste. Fehlt sie, gibt es Unruhe, manchmal zerstörerische Unruhen. (Männliche und weibliche Tiere sind oft nicht wirklich auf Entfernung zu unterscheiden, von der Seite sieht man manchmal das männliche Geschlechtsteil)

Sie sind Allesfresser. Ein Grund, warum sie sich in den letzten Jahren/Jahrzehnten so gut verbreitet haben. Das Nahrungsangebot ist gestiegen, zB. durch Müll. Auch die milden Winter haben dazu geführt,  dass es viel mehr und häufiger Nachwuchs gibt. Normal haben früher die starken, weiblichen Tiere nach dem Winter ihre Ferkel bekommen. In Mitteleuropa beginnt die Paarungszeit meistens im November und endet im Januar oder Februar. Die weiblichen, älteren Tiere bestimmen den Zeitpunkt, die einzelgängerischen, männlichen Schweine halten sich dann in der Nähe der paarungsbereiten Sauen auf. Heute hat sich das verändert. Weibliche Jungtiere können, da die Winter nicht mehr so streng sind und ihnen ausreichend Nahrung zur Verfügung steht, schon nach 8 – 10 Monaten geschlechtsreif werden. Männliche Tiere sind in der Regel erst im zweiten Lebensjahr fortpflanzungsfähig. Dadurch ergibt sich eine viel größere Reproduktionsrate und eine Auslese durch den Winter findet kaum noch statt. Außerdem ist die Fortpflanzung theoretisch ganzjährig möglich. Die Geburt findet in einem Nest, einem Wurfkessel statt, die Junge werden 3 – 4 Monate gesäugt, die Mutter separiert sich einige Tage von der Gruppe. Danach achtet die ganze Rotte auf die kleinen auf und sie lernen voneinander.

Aber nun zum interessanteren Teil des Wildschweins, seine Rolle im Ökosystem Wald (schließlich mein Projekt) und seine herausragende Intelligenz.

Das fängt schon bei der Kommunikation an, die aus verschiedenen Lauten besteht. Wildschweine haben sehr viele Lautäußerungen. Ihre Grunzlaute kennt Ihr sicher auch, wenn Ihr schon mal Hausschweine gehört habt. Auserdem warnen sie bei Beunruhigungen und Gefahren mit weit hörbaren Schnaufen und Blasen. Bei Schmerzen oder Angst kreischen sie laut und durchdringend. Wütende Keiler schlagen ihre Eckzähne klappernd und laut aufeinander. Die Leitsau gibt mit ihrer Erfahrung den „Ton an“, weist den Weg, schätzt Gefahren ein und gibt ihr Wissen weiter. Die Bindung der Schweine untereinander ist stark, nur männliche Tiere ab 2 Jahren müssen die Gruppe verlassen. Der Bestand an Wildschweinen ist in den letzten Jahren trotz Bejagung immer weiter gestiegen.

Schweine lernen sehr schnell. Schützt ein Bauer zB sein Kartoffel- oder Getreidefeld mit einem lärmenden Radio, so hilft das nur kurz. Die Sauen gehen auf Abstand und dann wird beobachtet. Stellen sie fest, dass sich nichts ändert und keine Gefahr droht, wird weiter gefressen. Junger Mais und Getreide und Kartoffeln sind einfach zu lecker. Genau wie im Wald pflügen sie die Erde mit ihren Schnauzen um und streifen milchsüße, weiche Körner ab. Ein Feld kann so in einer Nacht verwüstet werden. Manchmal verlieren sie die Scheu vorm Menschen so stark, dass sie auch Gärten verwüsten. Wie gesagt, sie beobachten genau und lernen, dass keine Gefahr droht.

Ihre Schnauzen sind widerstandsfähig und hart und trotzdem mit einem feinen Geruchssinn ausgestattet.

von Wildschweinen aufgebrochene Erde

Wenn sie den Boden im Wald so umgraben, lockern sie ihn, schieben alte Grassoden bei Seite und bereiten ihn für neue Samen gut vor. So werden auch Nährstoffe verteilt. Durch das Suchen und Fressen von Schadinsekten halten sie selbige auch kürzer. Was übrig bleibt, wird von Vögeln gerne noch abgesucht. Auch Mäusenester werden dabei gefunden und geplündert. Da sie gerne Pilze fressen, wird durch Suche und Exkremente das Mykorrhiza, die Pilzsporen verteilt. Bäume gehen mit Pilzen Symbiosen ein. (Manchmal kommt es bei der großen Suche zu Forstschäden in jungen Anpflanzungen.)

Ich hoffe, Ihr könnt auf dem Foto die aufgebrochene und umgegrabene Erde sehen. Am Wasser sind sie besonders gerne, dort machen sie Körperpflege, suhlen sie sich im Schlamm und schubbern sich dann an ihren „Malbäumen“. Diese erkennt man durch den „angemalten“ Schlamm gut, sie sind auch Markierungen.

Wenn Euch übrigens im Wald mal salziger, würziger Geruch in die Nase steigt, dreht lieber um. Dann ist vielleicht eine Rotte/Gruppe Sauen vor Euch. Und wenn sie Jungtiere bei sich haben, was mitlerweile sehr wahrscheinlich der Fall ist, sind sie auch sehr wehrhaft. Bei Gefahr bilden sie einen Kreis, die größeren Sauen greifen bei Bedrängnis an und dabei sind sie durchaus gefährlich. (Ihre Eckzähne sind dafür gute Waffen). Ich will Euch damit keine Angst machen, die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, dass Euch dies passieren kann.

Krafttier Eber mit keltischen Formen, Linoldruck

Diesen Eber habe ich schon vor Jahren geschnitzt

Wildschweinstempel

Wildschweine fressen u.A. im Wald Früchte, Engerlinge, Würmer, Wurzeln, aber auch Aas. Die Nase des Schweins ist besser, als die von Hunden. Nicht umsonst werden sie für die Trüffelsuche genutzt. Im Gegensatz zu diesem leistungsfähiges Such- und Wühlwerkzeug sind die Augen klein und nicht so leistungsfähig, der Gehörsinn aber wiederum wieder viel besser. Schlieslich sind sie dämmerungs- und nachtaktiv. Im Wald sind sie am liebsten in unzugänglicheren Dickungen, kaum einsehbar von außen. Sie sind ausdauernde Läufer und hervorragende Schwimmer.

Übrigens, Spuren von Wildschweinen sind im Matsch eher zu entdecken, als sie in persona zu sehen sind. Es ist aber nicht immer ganz einfach Rehspuren von Wildschweinen zu unterscheiden. Bei deutlichen Abdrücken sieht man die kleineren, hinteren „Afterklauen“, wenn Rehe aber tiefer einsinken, ähneln sie sich sehr, vor allem, wenn es jüngere Schweine waren. Sie können zwischen 8 und 10cm lang sein.

Durch ihre nun hohen Bestände und ausgiebigen Wanderungen verbreitet sich leider die Schweinepest stärker und kann Hausschweine anstecken. Keine Sorge, es ist ein reiner Tierseuchen Erreger und nicht auf den Menschen übertragbar. Aber wenn so ein ganzer Stall voller Schweine getötet werden muss…

Schon seit Urzeiten begleitet dieses Tier den Menschen. Wie oben geschrieben, stammt nicht umsonst unser Hausschwein von im ab. Der keltische Gott Moccus oder Moccos symbolisiert Kraft, Wildheit und auch wohl Reichtum. Auch auf Hawaii gibt es einen Eber Gott: Kamapua’a mit ähnlicher Bedeutung. In der Japanischen Kultur gibt es ebenfalls Wildschweine, die Stärke, aber auch Wohlstand bedeuten. Die nordische Göttin Freya hat ein goldenes Wildschwein als Begleiter.

In der Märchensammlung der Gebrüder Grimm gibt es die Erzählung: „Der singende Knochen“ und „Das tapfere Schneiderlein“ wo es u.A. um einen wilden Eber geht, der das Land verwüstet.

Ein imposantes und interessantes Tier, welches wir eher in Wild-Gattern zu sehen bekommen. Und wenn nochmal wer zu Euch „dumme Sau“ sagt, wisst Ihr nun, dass es eigentlich ein Kompliment ist, so clevere wie sie sind.

Ich hoffe, auch dieser Ausflug war für Euch schön und lesenswert.

Wächter des Waldes

Hallo Ihr Lieben.

Heute geht es um zwei Tiere des Waldes, zwei sehr unterschiedliche.

Die ersteren  sind geschwind da um Kadaver zu verzehren. Aber auch davor unterstützen sie die Gesundheit vieler Tiere. Es geht um die Waldameise (Formica).

So nutzt zB. das Auerwild die Ameisen zur Federpflege, indem sie sich auf den Ameisenhaufen setzen und sich mit Ameisensäure bespritzen lassen. Durch die Säure werden die Parasiten im Gefieder abgetötet.

Waldameisen sind ein wichtiger Teil des Ökosystems Wald. Sie fressen viele Forstschädlinge, wie den Borkenkäfer und Spannerraupen. Nicht nur im Garten verteilen Sie Samen, (Über 150 Pflanzenarten, deren Samen haben oft einen „süßen Anhänger“) auch im Wald. Mit all Ihren Gängen helfen sie bei der Belüftung des Bodens. Tote Insekten und kleine Tiere werden genau so schnell in den Bau transportiert, wie gerade erbeutete. Deswegen gelten sie als Gesundheitspolizei des Waldes. Außerdem „halten“ sie sich Blattläuse, die sie wegen ihrer süßen Ausscheidungen „melken“ und pflegen. Davon profitieren auch wieder Bienen. Sie sammeln von ihnen den „Honigtau“, Grundlage für den beliebten Waldhonig.

mit Aquarellstiften gezeichnet

Es gibt mehrere Arten die durchaus auch verwechselbar sind. So zB die Rote Waldameise und die Kahlrückige Waldameise. (Letztere ist etwas weniger behaart).

Für den Grünspecht sind sie die wichtigste Nahrungsgrundlage.

Der Borkenkäfer hat also in den Ameisen einen natürlichen Gegenspieler, auch wenn sie in den letzten Jahren ob ihrer großen Zahl überfordert waren, ein Grund mehr, ihnen Platz zu lassen und ihre Baue nicht zu zerstören. (Sie sind natürlich geschützt)

Die Waldameise gilt auch als Schlüsselspezies im Wald. Veilchen (Samenverteilung), Grünspecht (Nahrung), Bläulinge (Eiablage in Larven) und Blattläuse (Pflege) gäbe es ohne Ameisen nicht.

Und ob Ihre es glaubt oder nicht: Arbeiterinnen können sechs, Königinnen zwanzig Jahre alt werden, ihre Männchen/Drohnen sterben aber nach der Begattung/Hochzeitstag.

Nach der Kältestarre im Winter startet die Ameise im März wieder. Die ersten Arbeiterinnen sitzen zuerst in der Sonne um dann die Wärme in den Bau zu tragen und die Kolleginnen zu wecken. Bis der Staat wieder so richtig rundläuft, kann es 3 Wochen dauern:

Ameisenhügel im Sonnenlicht, So tanken sie Wärme

Neben diesen winzigen Bodenhelden gibt es noch einen geflügelten Helden, der wegen seinem Gekreische auch im Volksmund als Polizist oder Wächter des Waldes tituliert wird: der Eichelhäher

Auch der Eichelhäher nutzt die Ameisen und ihre Säure, um Parasiten im Gefieder loszuwerden.

Er erspäht uns Störenfriede schon früh und kreischt lauthals, dass es nun alle Waldbewohner wissen: da kommt wer, der gefährlich werden könnte! Und so entdeckt er auch natürliche Feinde, wie Raubvögel oder einen Marder. Seine Stimme ist unverwechselbar, wenn er seine „eigene Sprache“ nutzt (Link zu dt. Vogelstimmen Webseite).

Mit Milchtütendruck bzw Tetra Pack Druck den Eichelhäher erst eingeritzt und dann mit der Nudelmaschiene gedruckt

Der Eichelhäher (Garrulus glandarius) ist mit den leuchtenden, blauen Federn an den Flügeln und dem rötlich-braunen Gefieder der farbenfroheste unserer heimischen Rabenvögel. Er kommt nicht nur im Wald vor, sondern ist auch ein Kulturfolger.

Wie alle Rabenvögel ist er ein kluger Vogel (mit einem guten Gedächtnis) und er kann andere Vogelstimmen nachmachen, zB den Bussard, Habicht oder Specht. Nicht umsonst heißt sein lateinischer Name Garrulus, was soviel heißt wie „geschwätzig“.

Im Volksmund heißt er auch „Markwart“ und in der Literatur steht er für Schönheit und Verschmitztheit. Schriftsteller verwenden sein farbenfrohe Gefieder oft als Metapher für die Naturschönheit.

Seinen Kamm kann er übrigens auch etwas aufstellen. Ob er damit wohl größer wirken will oder imponieren?

Während er sonst durch seine Stimme durchaus auffällig ist und sich zeigt, ist er in der Brutzeit sehr heimlich und vorsichtig.

Er ist ein Allesfresser, dessen Ernährung sich aber deutlich der Jahreszeit entsprechend anpasst. In der Brutzeit frisst er vorwiegend tierische Nahrung, wie Insekten, groß und klein. Nicht selten plündern er mal ein anderes Nest, auch kleine Wirbeltiere werden genommen.

(Leider habe ich nur ein Foto eines toten Eichelhähers vom letzte Jahr, wohl von einem anderen großen Vogel im Revierkampf oder Nestverteidigung getötet)

Eichelhäher führt eine monogame Saisonehe. Das Männchen wählt meist den Nistplatz aus. Wenn sie beim Bauen gestört werden, wechsen sie den Platz. Das flache Nest aus Reisig wird meist in größerer Höhe von beiden Partnern in einem Baum errichtet. Innen wird es weicher ausgebaut, mit Gräsern, Moos und Blätter. Ende April legt sie 4-7 bläuliche-gefleckte Eier. Etwa nach 16-17 Tage schlüpfen die Jungvögel. Sie werden etwa 3 Wochen lang im Nest versorgt und auch nach dem Flügge werden dauert es um die 4 Wochen, bis die Jungen selbstständig unterwegs sind.

mit Aquarellstiften gemalt

Seinen Namen hat er wirklich von den Eicheln: seiner Eigenheit, Baumsamen in Verstecken zu deponieren! Schätzungsweise nur 1/5 der Verstecke werden auch wieder durch den Häher genutzt. So trägt er zur Verbreitung der Baumsamen bei. Bis zu 10 Eicheln, kann ein Eichelhäher in seinem Kropf transportieren und dies über eine Distanz von mehreren Kilometern verbreiten. Dabei setzt er sie immer einzeln, gern unter die Krautschicht und mit Kontakt zum Mineralboden. Im Herbst werden mehrere Tausend Eicheln, Nüsse, Bucheckern so versteckt. Gute Stellen um ggf Wurzeln zu schlagen sind es fast immer. So ist er im Wald verantwortlich für eine gute Naturverjüngung. (Dies wird manchmal sogar gezielt vom Menschen mit einem Samenangebot eingesetzt, deswegen nennen ihn Förster auch „Waldarbeiter“)

Als ein Besucher in Euerm Garten an der Futterstelle kann er durchaus häufiger zu sehen sein, so kann man ihn auch gut beobachten. Sonst ist dies etwas schwieriger, da er gern hoch oben in den Baumwipfeln sitzt.

Ich hoffe, mit diesen beiden so unterschiedlichen Waldtier Portrais habe ich Euch wieder etwas unterhaltsam Wissen um den Wald vermitteln können:

Von Riesen und Zwerge im Wald, wobei ich mich ab und an frage, wer Riese und wer Zwerg ist. Bis zum 40-fachen ihres Körpergewichtes kann nämlich eine Ameise tragen!

Uhu Schuhu

Hallo Ihr Lieben.

Dieses Mal geht es um einen großen, geheimnisvollen Nachtjäger.

Seine Körpergröße umfasst locker um die 70 cm und seine Flügelspannweite bis zu 1,80 m. Mit über 3 Kg ist er auch nicht ganz so leicht. Es ist unser größter, heimischer, nachtaktiver Greifvogel. Wie oft bei diesen ist das Weibchen etwas größer. Das  Gefieder ist mit all den verschiedenen Brauntönen die perfekte Tarnung.

Es gibt verschiedene Uhu-Unterarten in Europa, Nordafrika und Asien, bis nach Indien und Südchina. Bei uns in Mitteleuropa lebt der Uhu mit dem wissenschaftlichen Namen Bubo bubo. Ihr erinnert Euch vielleicht, wie ich von den größten Uhus, bzw diesem Buch erzählt habe:

Riesenfischuhu. (Ich denke nur, gerade werden sicher seine Wälder trotz Schutz abgeholzt. Es gibt Berichte, dass China sich da günstig Holz besorgt)

Hervorzuheben sind die Ohrbüschel, die bis zu 8 cm lang werden können. Die Waldohreule, welche auch ähnliche Federn über den Augen hat, ist insgesamt kleiner, sowohl an Gestalt als auch Ohrfedern. Das Uhu Gefieder ist oben rostbraun mit dunklen Flecken, die Unterseite hellbraun mit dunklen Längsstreifen. Ebenfalls sehr charakteristisch sind seine orangen Augen (andere Eulen haben eher gelbe oder ganz dunkle Augen)

Sie gehen eine lebenslange Einehe (oder zumindest über einen längeren Zeitraum) ein und sie gelten als äußerst standortstreu, auch im Winter.

Auch diese Eule ist natürlich ein dämmerungs- und nachtaktiver Greifvogel. Sie verbringt den Tag gerne in Felsnischen, einer Burgruine oder auch in dicht belaubten Baumkronen. Dabei ist das oben beschriebene Gefieder als Tarnung perfekt.

Wie bei allen Eulen ist der Aufbaus ihres Gefieders so, dass sie geräuschlos fliegen. Sie jagen ein breites Spektrum: von der Taube über Krähen, sogar Busarde und Jungfüchse bis hin zu Hasen…. und Mäuse, aber auch viele Ratten (wie ich über die Webcam feststellen konnte). Uhus sind einer der wenigen Jäger, die Igel jagen können (wg der großen Klauen). Er fängt auch andere Eulen, wie den Waldkauz, sicher auch, weil sie Konkurrenten sind. (Ein Verhalten, was viele Räuber untereinander haben) Durch diese recht große Bandbreite an möglichen Beutetieren hat sich der Uhu sicher auch, nach dem er unter Schutz gestellt wurde, (und auch ausgewildert), so gut im Bestand erholt.

Milchtütendruck Uhu

Es gibt Uhus, die sich schnell spezialisieren bzw anpassen (das Geheimnis vieler Kulturfolger) und dies wohl sogar auf Hauskatzen. Recht einfach erklärbar: weil es viele gibt, genau wie Krähen, Tauben und Ratten. Gerade bei den letzten drei Beutetieren ist seine Rolle  als Jäger und somit Regulierer sehr wichtig, sowohl im Wald, als auch stadtnah (sie spezialisieren sich zB bei Müllkippen auf Ratten).  Auch Fallwild, vor allem an Verkehrswegen, wird durchaus genommen.

Die Jagd erfolgt auf ganz unterschiedliche Art und Weise: Warten, Pirschflug und auch Bodenjagd

Früher war die große Eule als Konkurrent für die „Beute“ der Menschen (vom Kitz über Hasen, Fasan, Tauben…) angesehen und wurde fast ausgerottet. Eier wurden den Nestern entnommen, mit den aufgezogen Uhus wurde die Krähenjagd betrieben. Dh. der Uhu wurde in einen Käfig gesetzt und gewartet, bis die Krähen ihn entdeckten und ihren natürlichen Feind zu mehreren attackierten.

Ihr kennt sicher die Gewölle, mit dem Eulen die unverdaulichen Teile der Beutetiere (Federn, Haare und Knochen) wieder ausgewürgt. Diese 10 bis 14 Zentimeter langen, ovalen Speiballen enthalten oft ganze Schädel- und Beinknochen. Zerlegt man dieses Gewölle sorgfältig, kann am anhand der gefundenen Teile sehr genau bestimmen, was der Uhu in letzter Zeit erbeutet hat. Das ist nicht mal so ekelig, da sie nur aus den unverdaulichen Teilen (Horn und Knochen) bestehen und schnell trocknen.

Zur Brut: in Südeuropa kann das schon im Januar bis Februar, in Zentral- und Nordeuropa im März oder April sein. Es werden 2 bis 4 reinweiße Eier im Abstand von 2 bis 4 Tagen gelegt.
Auffallend ist, dass eigentlich kein richtiges Nest gebaut wird. Manchmal erobern sie Greifvogel- oder Reiherhorste.  Sehr selten brüten sie auf dem Erdboden. In zunehmender Zahl werden auch Gebäude als Brutplatz genutzt.

Wenn eine Mulde gescharrt wurde, beginnt das Weibchen mit der Brut. Von nun an übernimmt der männliche Uhu die Versorgung des Weibchens. Nach einer Brutdauer von 31 bis 36 Tagen schlüpft das erste Junge, jedes weitere kommt um 2 bis 4 Tage versetzt. Der männliche Uhu bringt Beute zum Horst, das Weibchen zerteilt es in mundgerechte Häppchen und verteilt. Das älteste Küken ist da oft im Vorteil. Wenn die Jungvögel größer werden, kann ein Elternteil die Versorgung nicht mehr alleine schaffen. Das Weibchen fliegt auch auf Jagd und die Küken müssen sich gegenseitig wärmen. Mit 5 bis 7 Wochen testen die Jungvögel ihre Flügel mit den ersten Flugversuchen und können das Nest verlassen. Sie müssen aber weiterhin von den Eltern versorgt werden. Es ist also nicht schlimm, wenn ihr durch Zufall mal einen Jungvogel am Boden entdeckt. Seine Lockrufe verraten den Eltern, wo es ist. Im Alter von etwa 20 Wochen haben sie von den Eltern so viel gelernt, dass sie selber Beute schlagen können.

Webcam in der Eifel (Link) im April
und an einem anderen Standort aber auf der selben Webseite am 24.5.26. Die oberen 4 Jung Vögel sind schon flügge und nicht mehr oft zu sehen. Warm ist es auch diesen großen Eulen heute, wie man sieht.

Dumpfe Rufe, die durch den Wald hallen erschrecken den späten Wanderer. Ein tiefes „Huu“ und etwas höher ein „uhuuu“. Diesen Rufen verdankt diese große Eule ihren Namen: Uhu. Im Volksmund wird sie auch „Großherzog“ genannt, ironischer weise, weil er tagsüber von anderen Vögeln angegriffen wird. Sie erkennen ihn als Gefahr. (Ich muss sicher nicht erklären, woher dieser alte Name kommt)

Ökologisch gut strukturierte Landschaften mit Felsen, Steilhängen, Wäldern, Freiflächen und Gewässern werden gern vom Uhu besiedelt. Ein freier Anflug und Störungsfreiheit sind eine Grundvoraussetzung der Brutplätze, die sie sehr lange nutzen. Abwanderung findet eigentlich nur von den Jungvögeln im Herbst oder frühem Winter statt.

Brut 2025, Screenshot Webcam

Viele der Uhus gibt es mittlerweile in den Mittelgebirgen. Sogar hier im Park habe ich ihn schon gesehen. Bei meiner Recherche las ich mehrfach, dass es jedoch im Bayerische Wald und der Schwarzwald deutlich weniger der großen Vögel gibt und das man noch nicht genau weiß, warum.

Jagd oder Verfolgung spielen heute keine große Rolle mehr, aber Menschliche Aktivitäten wohl: Freizeitaktivitäten können zu starken Störungen der Brutplätze führen. Wenn er auf älteren Stromleitungen/Isolatoren landet, ist bei diesem großen Vogel die Gefahr sehr groß, dass er stromführende Teile berührt. aber Entschärfung von Strommasten durch ausreichend Abstand dazwischen ermöglichen Sitzplätzen.

Der Uhu galt/gilt auch als das Symbol des Naturschutz im Osten, man findet ihn auf entsprechenden Schildern. Natürlich symbolisiert er auch Weisheit, wie überhaupt Eulen. Allerdings galt er auch als Totenvogel, wie uA der Kauz. Seine Lebensweise und majestätische Größe ließen ihn aber schon seit der Antike eher als Weisheitsvogel, ein Vogel des Licht erscheinen. Hildegard von Bingen sah den Uhu nicht als „Vogel des Bösen“, wie im allgemeinen Volksglauben zu der Zeit, sondern als ein Wesen, das in der Lage ist, „das Unsichtbare zu hören“ (Jäger im Dunkeln).

Von einem Rügenurlaub

Wer Otfrid Preußler gelesen hat, weiß sicher noch, dass der beste Freund vom kleinen Gespenst der Uhu Schuhu ist, der Namensgeber dieses Blogbeitrag.

nach den Illustrationen vom kleinen Gespenst

UHU hieß auch eine Literaturzeitung die von 1924 – 34 im Ullstein Verlag erschien, mit Veröffentlichungen vieler bekannter Autoren (Ullstein hat*te die Eule als Symbol).

Der Uhu

Warum fliegt doch der Uhu in finsterer Nacht?
Ich möchte wohl wissen, was dann er noch macht?
Er könnte wie andere Leute ja ruhn,
Er fände bei Tage genug auch zu tun.


„Wie ein Dieb muss ich leben in finsterer Nacht,
Dann geh‘ ich mit Frau und mit Kind auf die Jagd.
Des Tages erlaubt es die Sonne ja nicht,
Drum scheuen der Dieb und der Uhu ihr Licht.“

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
(1798-1874)

In der ARD Mediathek gibt es übrigens noch einige Links zu Sendungen zum Uhu, dem König der Nacht, zB hier

Ich hoffe, auch dieser Jahresprojekt Beitrag „Riesen und Zerge im Wald“, diesmal über den Uhu, hat Euch gefallen. Er gehört zu meinen Lieblingsvögeln. Eulen mag ich besonders, wie Ihr sicher schon gemerkt habt 🦉.