„Summertime

and the living is easy, fish are jumping and the cotten is high“

Die erste Zeile aus dem Song „Summertime“ von George Gershwin

Damit verbinde ich ganz oft den August. Gerade mit dieser Melodie, die wie der Sommerwind über die trockenen Gräser und abgeernteten Felder weht. Die Melancholie, die dieses Lied ausstrahlt, erfasst mich oft, wenn es auf das Ende des Monats August zu geht. Es ist so grade noch Hochsommer, Hundstage, Hitze. Und doch wissen wir, dass der Sommer danach nur noch schwächer wird.

Mus einkochen

Früher, als Schulkind, mußten wir dann schon lange wieder in die Schule. Hitzefrei gab es zwar offiziell, aber ich erinnere mich noch an den grinsenden Schuldirektor, der mit einem Thermometer in jedes Klassenzimmer ging und schaute, ob dort die vorgeschriebene Obergrenze erreicht wurde. Das war natürlich nie der Fall, die Naturwissenschaftsräume im Keller waren gross und immer kühler. Unsere Sommerferien waren ganz oft verregneten. (Heute ist das mit dem Hitzefrei GottseiDank nicht mehr so. Und da die Wahrscheinlichkeit solcher Hitzewellen zu nimmt, werden wir schauen müssen, wie wir damit umgehen können, nicht nur in den Schulen.)

Schwalben

August bedeutete aber auch die ersten Äpfel pflücken, frisches Apfelmus mit Frühkartoffeln, es begann das Einkochen. Auch wenn das natürlich noch umfangreicher im September weiterging. Meine Oma war stolz auf ihren gefüllten Vorratskeller. Die schönste Zeit war aber, wenn mein Opa mit mir in den Wald und über die Felder ging. Er kannte jede Pflanze, jedes Vögelein und Säugetier in seinem Wald. Er konnte die Vögel sogar nachflöten, – zwitschern. Er wußte, welche Spuren die Tiere hinterlassen hatten und wie sie zu deuten waren. Und vor allen Dingen Anfang August war eine interessante Zeit im Wald. Die Rehe hatten noch Paarungszeit. Außerdem waren Wildschweinrotten auf Wanderschaft, die Ernte auf den Feldern immer noch im Gange war. So war war das Getreide schon eingefahren, aber genügend andere schmackhafte Feldfrüchte gab es ja immer noch. Damals gab es noch recht wenig Wildschweine in diesem Wald, sie zogen weiter, es fehlte dort eine Wasserstelle. Im August konnte man schon mal den Fuchs über die Stoppeln ziehen sehen, immer auf der Suche nach Feldmäusen.

Aus verschiedenen Gründen hatte mein Opa die Hecke vom Hof hoch in den Wald stehen gelassen. Auch einige Bäume waren zwischen den Feldern stehen gelassen worden. Viele Tiere lernte ich hier schon kennen, war ich doch schon die Tage immer wieder stromern gewesen. Die Hecke, die kleine Schwester des Waldes. In der Kurve blieben wir oft stehen, drehten uns um und schauten runter und seidlich. Unter der grossen Eiche an der Rinderwiese standen die Kühe im Schatten. Hecken und Bäume störten beim Bearbeiten der Felder mit den grossen Landmaschinen, außerdem gewann man mehr Land zum Bestellen, erklärte mir Opa. Heute weiß ich, dass er versuchte, eine Gradwanderung zwischen Lebensunterhalt und Natur hin zu bekommen.

Meine Mutter erklärte mir, dass mein Opa mich gerne mit nahm, weil ich so ruhig war. Denn nur, wer leise ist im Feld und Wald, vorsichtig und achtsam, bekommt auch Wildtiere zu sehen. So wurde mein Blick geschärft, für mein ökologisches Umfeld. Nicht, dass meine Eltern dies nicht schon von Anfang an getan hätten, aber diese Sommertage bei meinen Großeltern, die mit den großen Ferien begannen und den Wochenenden nach den anstrengenden langen Erntetagen dann im sonnigwarmen August ihren Höhepunkt fanden, sind besonders. Sie sind mir sofort eingefallen, als Andrea von ihrer Idee der Sommer Geschichte für die Linkparty erzählte.

Viele Fotos findet Ihr leider nicht, denn natürlich sind das alte Bilder, nicht digital und außerdem zu privat. Aber vielleicht könnte ich trotzdem einen kleinen Einblick gewähren.