Hallo Ihr Lieben.
Eigentlich ist die Überschrift gemein. Es klingt zu negativ. Aber andererseits macht es Euch hoffentlich neugierig auf ein besonderes Tier.
Es geht heute um den Iltis.
Iltis (Mustela putorius), gehört zur Familie der Stinkmarder und ist hierzulande der größte Vertreter der „Mustela“, der Marderartigen. Dazu gehören auch Wiesel und Hermelin.
Auf den ersten Blick könntet Ihr sie mit Baum- oder Steinmarder verwechseln. Aber ihre weiße Gesichtsmaske und besondere Körperfell Farbe sticht hervor! Sie besteht aus locker stehenden, dunklen Deckhaaren und einer weiß-gelblichen Unterwolle, die stark hervorschimmert. Die dunklere Farbe auf der Unterseite des Körpers, die helleren Haare an der Oberseite, verrät sie. (Dies nennt man übrigens Verkehrtfärbung.) Außerdem sind sie bei genauerem Hinsehen etwas zierlicher als Baum- und Steinmarder, haben einen kürzeren Schwanz und auch kürzere Beine. Sie wiegen um die 500g beim Weibchen bis hin zu 2000g bei Männchen. Die geschickten Jäger werden bis zu 10 Jahre alt, wahrscheinlicher sind aber 5-7 Jahre.
Heute ist dieser Räuber kaum noch bekannt, aber das war früher anders. Redensarten wie „stinkt wie ein Iltis“, „schlafen wie ein Ratz“ oder auch „ratzen“ zeugen noch davon. Woher das kommt, erzähle ich noch.

Iltisse lieben gewässernahe Lebensräume. Trotz der offiziellen Bezeichnung Waldiltis lebt er eher an offenen Waldrändern und vor allem Auenlandschaften. Dort sind vor allem Amphibien die wichtigste Beute (wohl über 94%). Aber auch Reptilien und Früchte gehören zum Nahrungsspektrum. Und wie Ihr alle wisst, gibt es leider immer weniger Feuchtgebiete und damit schwindender Lebensraum für Amphibien. Sie zählen zu den am stärksten gefährdeten Wirbeltieren. Natürlich gehören auch Kleinsäuger zu den Beutetieren, am wenigsten wohl Vögel und Gelege.
Auch in der Nähe von landwirtschaftlich geprägten Orten kommt er vor.
Diese Jäger sind Einzelgänger und nachtaktiv. Tagsüber leben und vor allem schlafen (ratzen) sie gern in von anderen Tieren gebauten Tunneln wie alten Kaninchenbauten, aber auch Gebäudenieschen oder hohlen Baumstämmen.
Der Iltis kann übrigens auch gut schwimmen.
Während der Paarungszeit (Ranz) von März bis Juni kommen sie zusammen. In dieser Phase kämpfen auch mal Männchen um das Paarungsvorrecht. Ihre Lautäußerungen können zischend, fauchend und keckernd sein, in der Ranzzeit erinnern ihre Laute an Katzen. Während der Begattung selbst stellt das Männchen das Weibchen mit Hilfe eines vorsichtigen Nackenbiss ruhig. Es folgt eine 42-tägige Tragzeit mit zwei bis sieben, selten noch mehr Jungtiere, die vom Weibchen großgezogen werden. Dabei sind die Mütter auch schon mal tagsüber unterwegs, um Futter zu suchen. Die Jungen sind blind, öffnen nach einem Monat die Augen. Nach einem Monat mehr werden sie schon an Fleisch gewöhnt und werden im dritten Monat selbständig. Geschlechtsreif werden sie nach 1 Jahr.
Iltisse hören und riechen sehr gut. Wittern sie Gefahr verstecken sie sich schnell. Außerdem können sie ein stark stinkendes Sekret absondern. Aus den Analdrüsen können sie dieses bis zu 50cm weit spritzen. Normal nutzen sie dieses zusammen mit Harn und Kot zur Reviermarkierung. Aber zur Abwehr ist das Sekret auch gut. Kein Wunder das sie auch „Stinkmarder“, „Stinker“, aber auch „Ratz“ genannt (stammt von Ratte, –>Rattenjäger, siehe oben). Sein lateinischer Name bedeutet daher recht simpel etwa „stinkendes Wiesel“.

Schon als Kind habe ich die Bücher von Poortvliet geliebt und bei meinen Großeltern immer wieder angesehen. Leider stimmt die Aussage „ein weitverbreiteter Jäger“ mittlerweile nicht mehr. Schleichend und fast unbemerkt geht der Bestand der Iltisse zurück. Es gibt leider keine genauen Bestandszahlen und in vielen Quellen wird er noch als „nicht Bestandsgefärdet“ aufgelistet. Aber in manchen Bundesländern ist er zB jagdlich ganzjährig geschützt. In Österreich und der Schweiz gelten sie als gefährdet. Die EU sieht ihn auch als gefährdet. Und auch Deutschland hat ihn auf die Rote Liste mit „gefährdet“ gesetzt. Zusätzlich zum Lebensraumverlust durch Bebauung und Landwirtschaft kommt der Straßenverkehr dazu. Viele Tiere werden vor allem in der Dämmerung überfahren.
Natürliche Feinde wären die Raubtiere, die größer als er selber sind.
Aber wie so oft gibt es Tiere, die einfach unauffällig durch das Raster fallen und verschwinden.
Der Iltis ist ein heimlicher, nachtaktiver Jäger. Ich habe noch nie in meinem Leben einen wilden und vor allem lebenden Waldiltis gesehen, wie vielleicht viele von Euch auch. (Leider dafür einen überfahrenen hier an der Straße, genau in diesem Monat. Oft werden Marderartige Opfer des Straßenverkehrs, gerade jetzt die Jungtiere, es sind die einfachsten Wege für sie, manchmal zerschneiden sie auch Lebensräume)
Den Steppeniltis, seinen europäischen Verwandten, gibt es nur in Osteuropa. Iltisse fehlen in Irland und weiten Teilen Skandinaviens.
Es sind vorausschauende Jäger. Sie können in Überflußzeiten Beute mit einem Biss betäuben und in einem Vorrat im Bau liegen lassen. Frösche werden über Sand gerollt, damit sie die Schleimschicht der Haut verlieren. Sie laufen in der typischen „buckeligen“ Gangart von Mardern herum, dabei haben sie fast immer die Nase am Boden, um nach Nahrung zu suchen.
Das Gebiet, durch das sie streifen, ist etwa 80000 bis 100000 m² groß, selten wird dies im gesamten Ausmaß genutzt, manchmal überschneiden sich Reviere auch.
Wie ich schrieb, habe ich noch nie einen (lebenden) Iltis gesehen, aber schon ein paar Mal Frettchen, (Mustela putorius furo). Schon seit einer gefühlten Ewigkeiten, vor der Katze, wurden und werden Iltisse für die Jagd domestiziert. Vor 2500/2000 Jahren hielten sich zB Griechen und Römer diese Räuber, um auf Mäuse, Ratten und Kaninchen Jagd zu machen. Frettchen und natürlich auch Iltisse passen nämlich in die Gänge der Nager und sind dort auch noch schnell und wendig. Frettchen werden ca 5 Jahre älter als ihre wilden Artgenossen. Die stinkenden Analdrüsen werden aber früh entfernt. Bei Frettchen gibt es auch hellere, bis hin zu weißem, Fell-Varianten.
Apropos Fell, es gibt ein Bild von Klimt: „der Iltis Pelz“ (klick Wikipedia,) denn auch die Pelze wurden und werden verarbeitet.
Übrigens gibt es auf Neuseeland auch den Iltis, er wurde dort als Frettchen von den Siedlern zur Kaninchen- und Rattenjagd eingeführt. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Frettchen Jagd auf Ratten auch hier wieder wichtiger werden könnte, denn die Population hat vor allem in den Städten zugenommen.
Bei arte könnt Ihr diese Doku über den interessanten Jäger schauen. Den Bericht habe ich leider recht spät erst entdeckt.
Verlinkt ist der Beitrag natürlich bei der Zitronenfalterin, die unsere Projektergebnisse wieder sammelt.
Verlinkt auch bei Nicoles Gartenzaun Plausch (da dort auch Beiträge über unsere Wildtiere willkommen sind), bei magic craft und dem Samstagsplausch
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