Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

Hallo Ihr Lieben.

Den Spruch kennt Ihr sicher alle. Nun, im Juli sind aber alle Schwalben da und haben sogar ihre erste Brut (hoffentlich) durchgebracht.

junge Rauchschwalben

Hoch oben sausen sie bei gutem Wetter durch die Lüfte. Unglaubliche Mengen an Insekten verschwinden in ihren weit aufgesperrten Schnäbeln. Nur im Fluge kann die Schwalbe auf Nahrungssuche gehen. Sie kann sogar beim fliegen, wenn es z.B. auf die lange Wanderschaft geht, schlafen.

Illustration von W. Crane, Quelle Wikipedia

„The happy prince“

Kunstmärchen von Oscar Wilde (kurz nacherzählt)

Hoch über der Stadt steht die Statue des „glücklichen Prinzen“. Verziert mit Edelsteinen und Blattgold schaut der Prinz, der zu Lebzeiten ein glücklicher, froher Mensch war, heute eher traurig auf die Stadt. Als eine Schwalbe auf dem Weg nach Süden bei ihm rastet, bittet er sie nach und nach seine wertvollen Gaben zu verschenken, Bedürftige bekommen seinen Schmuck von der Schwalbe gebracht. Dabei verpasst sie den Zug nach Süden und erfriert. Auch der Ritter ist den Leuten nun zu hässlich geworden und wird eingeschmolzen. Als beide im Müll sich finden, bringt ein Engel sie fort. Gott hatte ihn gebeten, die wertvollsten Dinge für seinen Garten zu suchen. Nun kann die Schwalbe dort singen und der Ritter lobpreisen.

Arme kleine Schwalbe. Ja, sie haben es nicht mehr leicht bei uns. Nach dem sie einen so weiten und gefährlichen Weg aus Afrika hinter sich gebracht haben, kommen sie hier oft in doch eher kaltes und regnerisches Klima. Wobei sich das ja gerade etwas wandelt, Dank der Klimaveränderung werden unsere Frühjahre immer trockener und wärmer.

Hier heißt es dann erst mal ein Nest bauen oder ausbessern, gern wird das vom letzten Jahr bezogen. Ich werde mich heute auf die Rauchschwalben konzentrieren und berichten. Die Uferschwalbe ist ein Höhlenbrüter, die Mehlschwalbe hat ein fast geschlossenes Lehmnest unter Giebeln und Dächern, bei der Rauchschwalbe wird aus Lehm und etwas Gras ein halbes Nest gebaut. Dabei wählt die Rauchschwalbe gerne Ställe und Scheunen aus, mit offenen Fenstern. Sie bilden kleine Kolonien. Beim Nestbau wird Lehm aus Pfützen benötigt. Hm, wo gibt es hier noch solche Pfützen?

Das nächste Problem. Wer läßt Schwalben noch bei sich Nester bauen und brüten? Ihr Kot verschmutzt die Hauswand und den Bereich darunter. Die Rauchschwalbe braucht eigentlich den Viehstall. Es gibt übrigens auch Nisthilfen zu kaufen oder man setzt Bretter darunter. Leider gibt es natürlich auch insgesamt weniger Insekten, nicht nur hier. Auch illegaler Vogelfang auf den Reisen beschert den Rauchschwalben kleinere Bestände. Alles erschwert den Akrobaten des Himmels ihr Leben.

Hoffnung ist schnell und fliegt mit Schwalben-Schwingen.

William Shakespeare, Die Rauchschwalbe

Wenn die Schwalben tief fliegen, folgen sie nur den Insekten, die bei Tiefdruck niedrig fliegen. So zeigen sie an, dass es regnen wird, aber auch, dass es vielleicht nur ein kurzer Schauer wird, denn: „Die Schwalben fliegen hoch!“

Die Rauchschwalbe (Hirundo rustica), Hausschwalbe, Gabelschwalbe ist eh ein wahrer Flugkünstler und kurzzeitig bis zu 80 km/h schnell. Manchmal kann man beobachten, wie sie dicht über dem Wasser Insekten jagd und so erfolgt auch die Wasseraufnahme im Flug. So ein kleiner, agiler Körper verbraucht und braucht eine Unzahl an Insekten, erst recht, wenn nach zwei bis maximal drei Bruten mit jeweils 3 bis 6 weiß-braun gefleckten Eiern, immer wieder Küken die Mäuler aufreißen. Um die 12.000 Mücken und Fliegen werden weggefangen! Wußtet Ihr, dass bei der Aufzucht späterer Bruten die Geschwister sogar etwas mithelfen?

Von der Mehlschwalbe (und auch dem nicht verwandten Mauersegler) lässt sie sich durch die langen Gabelungen der Schwanzfedern sogar gut im Fluge erkennen. Natürlich kann der geübte Beobachter den rostroten Kopffleck um den Schnabel erkennen.

Als Liebesvögel zierten sie so manche alte Postkarte (und ein nicht mehr auffindbarer, kleiner Linoldruck von zwei Schwalben zierte unsere Hochzeitseinladung)

So manche Sommer und damit die Sommerferien meiner Kindheit waren ziemlich verregneten. Nrw hatte lange Zeit immer sehr früh Ferien und ich verbrachte diese zum Teil auf dem Hof meiner Großeltern. Davon habe ich Euch letzten Monat ein wenig erzählt. Es gab vor allem einen Sommer, bei dem das Getreide schon am Halm auskeimte und eine große Mißerne bevor stand. In diesem Sommer fand ich junge Rauchschwalben auf der Bleiche, die mitten im Sommer durch den Regen erfroren und verhungerten. Ich konnte sie zwar in den Stall bringen, wo so viele Nester an den Wänden kleben, aber es half nichts. So arme, nasse Vögel und kaum ein Gewicht in meinen kleinen Händen.

Beim kreativen Part muss ich diesmal um etwas Geduld bitten, denn statt den geplanten Stempeln, gibt es bis jetzt nur diese Skizze. Wer mag, kann sich aber das PDF der Girlandenvorlage runterladen um ein paar Schwalben fliegen zu lassen, sie als Schablone zu nutzen, um aus buntem Papier Schwalben auszuschneiden. Ihr könnt sie auf einen Faden als Girlande ziehen oder an die Fenster kleben.

Wer an regnerischen Tagen etwas gute Laune braucht und sich „bequatschen“ lassen will: https://www.lbv.de/ratgeber/naturwissen/artenportraits/detail/rauchschwalbe/

Außerdem gibt es dort eine Webcam.

Der Artikel wird im Rahmen des Jahresprojekt bei Andrea Zitronenfalterin verlink, ebenso beim Creativsalat und dem Naturdonnerstag

33 Gedanken zu “Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

  1. Auf unserer Lieblingsrunde gibt es dutzende von Rauchschwalben, liebe Nina. Aber dort gibt es auch mehrere Milchbauern. So ist es mir noch nicht wirklich aufgefallen, dass es weniger werden (aber mich wundert das überhaupt nicht). An die nassen und eisigkalten Sommer kann ich mich sehr gut erinnern. Meine Mutter hat damals als Haushälterin am anderen Ende der Stadt gearbeitet und ich durfte während der gesamten Sommerferien mit – natürlich sind wir die Strecke mit Fahrrad gefahren und ich kann mich gut daran erinnern wir nass und durchfroren wir waren, nach der langen Fahrt waren. Bei uns im Garten sind es die Mauersegler, die pfeifend um die hohen Bäume ziehen. Erst gestern nach dem Regen haben sie den Wetterwechsel angezeigt, auf einmal flogen sie wieder weit oben. Es kommt bald der Sommer zurück 😉 Deine Skizze ist bezaubernd und die Geschichte ebenso. Liebste Sonntagsgrüße, Nicole

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    1. Hier rufen auch am häufigsten die (wenigen) Mauersegler über unseren Köpfen. Ab und an huschen auch Schwalben daher. Aber dieses Jahr weniger…
      Ja ja, diese nass kalten Sommer.
      Danke Dir und liebe Grüße und einen schönen Sonntag noch
      Nina

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  2. Bevor meine Kater bei mir einzogen hatte ich viele Jahre in Folge ein brütendes Amselpärchen bei mir auf dem Balkon: Selma und Anselm. 😀 Frag mich nicht wie der Balkon nach drei Gelegen im Sommer hinterher aussah! Trotzdem war es unglaublich schön so nah bei der Aufzucht zu sein! Vor allem ein Erlebnis ist mir unvergessen. Selma kam ein Mal zwar zurück, war aber völlig desolat, schaffte es nicht in das Nest zu ihren Kleinen, blieb in einer Ecke des Balkons. Nachts saß Anselm auf dem Gelege bei den vier Jungen. Selma blieb, mit Vogelfutter und Wasser versorgt, abgeschlafft in ihrem Eck. Als tagsüber die Jungen immer schlapper wurden begann ich sie zuzufüttern und das Nest sauber zu halten. (Dann doch lieber den Balkon putzen!) Drei Tage lang dauerte es bis Selma wieder fit war und ihre Jungen wieder selber versorgen konnte. Was war ich froh, als alle vier flügge waren!
    Schwalben gibt es hier leider immer weniger!
    Liebe Grüße,
    Karin

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    1. Oh, was für ein schönes Erlebnis! Womit hast Du zugefüttert? Hier haben die Meisen (die Eltern auch zerupft aussehend, meine Güte) vom Meisen Knödel und den Körnern gefüttert. Für die „Bodenvögel“ habe ich immer Körner und oft auch ein Äpfelchen.
      Oder hast Du Mehlwürmer besorgt? Jedenfalls eine berührende Geschichte mit gutem Ausgang!
      Danke Dir und liebe Grüße zurück
      Nina

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  3. Im Moment hänge ich mit dem Kommentieren und Posten echt nach, liebe Nina…gelesen hatte ich hier aber schon. 😉 Ein toller Post und Schwalben versetzen mich auch in meine Kindheit….so schön, wenn ich an Bauernhöfen die Nester noch entdecken kann. Auf die Mauersegler hier am Haus warten wir noch…hoffentlich nehmen sie im nächsten die Nistkästen an.
    Lieben Gruß von Marita

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  4. Hallo Nina,
    beim lesen deines Beitrags habe ich schon überlegt, wann und wo ich das letzte Mal ein Schwalbennest gesehen habe bzw. ob überhaupt. In meiner Kindheit war es völlig normal, das an vielen Häusern Nester waren. Ich habe mir dann bewusst die Häuser mal angeschaut, an einem Haus in der Nachbarschaft wurde sogar rund um das Dach weiß/rotes Absperrband befestigt. Ich mutmaße um eben Vögel abzuhalten. Auf dem Weg zur Arbeit komme ich durch mehrere Ortschaften, auch hier habe ich genauer hingeschaut. Was soll ich sagen, ich habe nicht ein einziges Schwalbennest entdeckt. Da wundert es nicht, wenn die Bestände zurückgehen, schon traurig. Danke für deine Informationen, ich habe wieder was dazugelernt.
    Ein schönes Wochenende und liebe Grüße,
    Claudia

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    1. Leider ist es genau so, wie Du es beschreibst. Und die Menschen möchten zwar irgendwie etwas Natur, aber bitte nur zu ihren Bedingungen.
      Schön, dass Dir aber der Artikel gefallen hat.
      Danke Dir und sende liebe Grüße zurück
      Nina

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  5. Hallo Nina,
    eine schöne Skizze hast du mitgebracht genau wie die schöne Geschichte. Hier bei uns sieht man Schwalben oder Mauersegler (kann sie so schnell nicht unterscheiden). schon desöfteren, wo sie brüten weiß ich auch nicht, aber sie scheinen irgendwo ihre Nester zu haben. Das finde ich ganz schön sie beim Fliegen (auch in unserem Garten) zu beobachten,
    liebe Grüße
    Kirsi

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  6. Bei uns gibt es schon lange nur noch wenig Schwalben. Die Menschen sorgen leider dafür, dass sie nicht an den Gebäuden nisten. Hier bei uns hat es noch keine probiert.
    Danke für die Motivvorlage! Eine hübsche Idee für eine Girlande.
    LG
    Elke

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    1. Ich würde sie zu gern nisten lassen, aber in den engen Häuserreihen sind sie natürlich nicht, nur einige über uns. Ja, die Population geht schon seit Jahren zurück. Dabei reicht ein Brett unter das Nest um die Verschmutzung einzudämmen.
      Die Girlande verbreitet gute Laune und ist leicht zwischendrin zu schneiden und dann mit Nadel und Faden aufzufädeln. Ich habe die Vögel noch mit Masking Tape fixiert.
      Danke Dir und liebe Grüße auch an Dich zurück
      Nina

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  7. An meinem Elternhaus sind solche Nisthilfen angebracht. Als Kind hat mir sehr viel Spaß gemacht, sie im Stall meiner Tante ein- & ausfliegen zu sehen bzw. wenn sie sich im Herbst auf den Stromleitungen versammelten. Hier in der Stadt wurden sie dann von den Mauerseglern als Lieblingsvögel abgelöst.
    So eine Schwalbengirlande wäre nett. Danke!
    GLG
    Astrid

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    1. Hier sieht man auch eher Mauersegler. Aber aus meiner Kindheit kenne ich auch eher die Schwalben als wunderschöne Flugkünstler und dieses Gezwitscher und Geschnatter alle durcheinander.
      Ein wenig farbiger Karton und mit Bleistift übertragen und per Nadel und Faden auffädeln. Ich habe noch mit Masking Tape fixiert. Geht sogar auf dem Sofa 🙂
      Danke Dir und liebe Grüße zurück
      Nina

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  8. Liebe Nina,
    wie schön, die lieben Schwalben sind (auch wenn ich sie nicht wirklich unterscheiden kann)!
    Und warum wundert es mich nicht, dass sie auf eurer Hochzeitseinladung zu finden waren?
    Die (gar nicht mehr so) kleinen Schwalben vor unserem Schlafzimmerfenster schreien sogar nachts gerne mal herum – und halten ihre Eltern auf Trapp, die den ganzen Morgen ohne Pause herumfliegen, um die hungrigen Mäuler zu füllen.
    Deine Girlande und Skizze sind sehr schön und ich freu mich schon auf den Stempel!
    Liebe Grüße
    Nanni

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