Wippsteerts zurückblickende Buchecke

Harry Rowohlt ist heute verstorben mit 70 Jahren und nach schwerer Krankheit.

Dies möchte ich mit Trauer im Herzen zum Anlass nehmen, Euch diesen Künstler sehr an`s Herz zu legen und hier etwas vorzustellen.

Schon als Teenager habe ich in der Wochenzeitung „Die Zeit“ seine Kolumne gelesen und gerne dann noch mal als Sammlung in Buchform: „Pooh`s corner„. Das Bilderbuch „Ich, Kater Robinson“ handelt von einem Kater, der sich im Mittelpunkt der Welt sieht und dabei immer einen auf`s Fell bekommt, bis…, ich mag es sehr und bekam es in meiner Ausbildung von einer lieben Freundin geschenkt. Seine Hörbücher von Winnie dem Pooh von A.A. Milne sind wunderbar und zeitlos. Er hat sie übersetzt und Pooh, I-Ah, Ferkel und all den anderen Figuren seine rauchige, wandelbare Stimme geliehen. Pu der Bär – wie er im Deutschen heisst, brachte ihm sogar eine goldene Schallplatte ein. Ein Jahr lang schlief unser ältester Sohn mit den *Geschichten um den Bären von geringem Verstand* ein. Auch seine vielen anderen Kinder – und Jugendbuchübersetzungen sind grandios. Schon sehr früh machte sich Rowohlt einen Namen als Übersetzer, als er das Kinder- und Jugendbuch „Die grüne Wolke“ von A.S. Neill übersetze. Dieses Buch schaffte es als erstes Kinderbuch auf die Spiegelbestenliste. Gott sei Dank brachte Harry Rowohlt noch so manches gute Kinder- und Jugendbuch vom Englischen in`s Deutsche, so z. B. die lustige Reihe um „Mr. Gum“ von Andy Stanton, oder viele tolle, schräge Bücher von Philip Ardagh. So manches dieser guten Kinder- und Jugendbücher wird auch gern von Erwachsenen gelesen. Sie zeichnen sich vor allen Dingen durch Wortwitz und Einfallsreichtum aus, den hat H. Rowohlt so gut übertragen. Dem Klassiker von Kenneth GrahamDer Wind in den Weiden“ schenkte er eine wunderbare, deutsche Übersetzung. Auch hier lieh er den Geschichten oftmals wieder seine Stimme. Als ich das erste mal in Irland war, kam ich nicht an „Flann O`Brien“ vorbei, der von Harry Rowohlt übersetzt wurde. So hatten wir auch das Glück, in seinem irischen Lieblingspub einkehren zu können. Seine Lesungen waren legendär! Voller Anekdoten und Geschichten und gern von einer Flasche irischem Whiskey begleitet. Nicht umsonst war er auch Whiskey Botschafter. So manch einem ist er wohl auch als Penner mit Rauschebart in der Lindenstrasse bekannt geworden. Aber auch die bissigen Romane von David Sedaris oder die eigenwilligen Comics von Robert Crumb hat er übersetzt. Dabei sollte der Verlegersohn eigentlich in den Verlag seines Vaters einsteigen, aber das war so gar nicht seine Welt.

Er hat uns so viele schöne Stunden geschenkt. Dafür danken wir Ihm. Wir werden wieder einmal eine CD aus unserer H. R. Sammlung in den Player schieben und an ihn denken! Er verstarb am 15.06.2015 in Hamburg.

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