Hoch, höher und laut, lauter und den sonnigen Tag kündend

Hallo Ihr Lieben.

Nun geht das Jahr mit den Jahresprojekten zu Ende. Viele haben sich etwas überlegt, was sie monatlich machen und bei Andrea vorstellen möchten. Mein Vorhaben war, jeden Monat einen Vogel vorzustellen. Das hat mir wirklich so viel Spaß gemacht. Gar nicht so schön dagegen war die Qual der Wahl.

Besonders jetzt zum Jahresende wurde die Auswahl dann doch sehr schwer. Da gab es die Haubenmeise, das (die) Goldhähnchen, die Waldrappe, die Schwanzmeise, das Rebhuhn,… Und da war auch noch der Baumläufer und und und.

Doch nun zu diesem:

Es ist die dunkelste Zeit des Jahres. Unsere Vorfahren haben diese Zeit gefürchtet und versucht mit Licht zu füllen und an den Sommer zu denken!

Einen Vogel verbinde ich ganz besonders mit dem Sommer. Wenn die Sonne hoch über den Getreidefeldern steht, fliegt ein Vogel laut singend in das hoch stehende Licht. Minutenlang klingt sein wunderschöne Lied, in dem auch mal „geklaute Strophen von anderen Vögeln“ eingebaut werden.

Vielleicht ahnt Ihr, welcher Vogel den Abschluss des Jahresprojekt bilden wird. Ich gebe noch einen literarischen Tipp: „es war die Nachtigall und nicht die…

…die Lerche“. Aus „Romeo und Julia“ von Shakespeare, der wohl meistzitierte Satz des englischen Dichters. Ein Frühaufsteher ist dieser Vogel, auch sprichwörtlich genutzt für Menschen, welche den Morgen nutzen. Sie steht auch als Allegorie der Erhebung in den Himmel oder zu Gott, an den Neuanfang. In vielen literarischen Texten (z.B. Goethes Faust) kommt sie vor.

Lerche, Quelle Wikipedia

„Alaudidae“, so der lateinische Name der weltweit verbreiteten Familie dieser grau-braunen, unscheinbar aussehenden Sperlingsvögel, mit etwa 20 Gattungen und ca. 80 Arten. Wenn sich der Vogel nicht hoch in die Luft schwingt, dann bewegt er sich laufend (nicht hüpfend) am Boden. Kennt Ihr den Lerchensporn, die Pflanze, die nach der Form der hinteren Zehe des Star großen Vogels benannt wurde? Die Lerchen sind Herrin und Herren der offenen Landschaften. Dort ist das Federkleid die perfekte Tarnung. Insekten und Samen stehen auf dem Speiseplan. In einer kleinen Bodenvertiefung legt das Weibchen 3-6 Eier.

Früher gab es Lerchen allerorts und gibt es auch noch. Dieser Vogel nistet gern in Getreidefeldern und Wiesen, dort, wo die Gräser etwas spärlicher wachsen, vielleicht niedergedrückt sind. Das war in Zeiten, wo Felder und Wiesen noch sehr viel mühsamer bewirtschaftet wurden. Ödlandschaften, Kultursteppen, viele lässt der Mensch, vor allem Stadt nah, nicht mehr ungenutzt. Heute muss Weizen und Mais zu Weltmarktpreisen produziert werden und die industrielle Bewirtschaftung hat viele Tiere in ihrer Zahl reduziert. Ungenutzte Brachflächen sind oft nur kurz vor der Bebauung. Auch wo unsere Siedlung steht, war vor 40 Jahren noch Feld-und Brachland. Auch Katzen haben ihren Anteil am Rückgang, es gibt so viele die verwildern. So ist auch die Lerche „im Sinkflug“, vor allem hier in NRW. Einige Bauern legen freiwillig sogenannte „Lerchenfelder“ an. Im Winter ziehen die nun recht geselligen Vögel von hier gen Süden, in südlicheren Gefilden (viele Arten leben zB auf dem afrikanischen Kontinent) sind es „Standvögel“. Die oft mit den hochstehenden Federn auf dem Kopf dargestellte Lerche ist übrigens das Männchen, welches ich auch hier zeige:

Die Lerche

1

Ich kann hier nicht singen,

Aus dieser Mauern dunklen Ringen

Muß ich mich schwingen

Vor Lust und tiefem Weh.

O Freude, in klarer Höh

Zu sinken und sich zu heben,

In Gesang

Über die grüne Erde dahin zu schweben,

Wie unten die licht′ und dunkeln Streifen

Wechselnd im Fluge vorüberschweifen,

Aus der Tiefe ein Wirren und Rauschen und Hämmern,

Die Erde aufschimmernd im Frühlingsdämmern,

Wie ist die Welt so voller Klang!

Herz, was bist du bang?

Mußt aufwärts dringen!

Die Sonne tritt hervor,

Wie glänzen mir Brust und Schwingen,

Wie still und weit ists droben am Himmelstor!

2

Ich hörte in Träumen

Ein Rauschen gehn,

Und sah die Wipfel sich säumen

Von allen Höhn –

Ists ein Brand, ists die Sonne?

Ich weiß es nicht,

Doch ein Schauer voll Wonne

Durch die Seele bricht.

Schon blitzts aus der Tiefe und schlagen

Die Glocken und schlängelnder Ströme Lauf

Rauscht glänzend her,

Und die glühenden Berge ragen

Wie Inseln aus weitem dämmernden Meer.

Noch kann ich nichts sagen,

Beglänzt die Brust,

Nur mit den Flügeln schlagen

Vor großer selger Lust!


Joseph von Eichendorff
(* 10.03.1788, † 26.11.1857)

„Alouette“, dieses französische Lied kennt Ihr vielleicht. Allerdings geht es darum, eine Lerche zu rupfen. Sie wurden noch im Jahrzehnt vor diesem als doch so seltenes Fleisch auf dem Tisch geschätzt und natürlich auch als Delikatesse gejagt. Vogelfänger gibt es in Deutschland nun nicht mehr. Aber ich hoffe, Ihr könnt das Trällern der Lerche hören, als Erinnerung oder bald als Frühlingsbote. Ein kleines Licht.

Ein gutes neues Jahr, bleibt gesund und zuversichtlich. Dank an Andrea für die Sammlung der Beiträge. Danke an Euch, für Eure Besuche und Kommentare, der Austausch ist wunderbar. Auf ein neues kreatives Jahr. (Vielleicht mache ich noch eine kleine Vogel Rückschau, wo ich doch schon so keinen Rückblick mehr gemacht habe)

Nina

14 Gedanken zu “Hoch, höher und laut, lauter und den sonnigen Tag kündend

  1. bei fast jedem spaziergang, bei jeder wanderung und radtour begleiten sie uns und für mich sind sie die sommervögel. wie schön, wenn sie über uns tirilieren, dann kann man freudensprünge machen. erstaunlicherweise haben sie uns im letzten jahr besonders oft begleitet. waren wir nur öfter draußen oder sind es wieder mehr geworden??
    danke für deine immer interessanten erläuterungen und für deine wunderschönen stempel zu deinem vogel des monats!
    liebe grüße
    mano

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Nina,
    durch Dein Projekt sind mir einige Vögel sehr viel intensiver „begegnet“ und ich habe vieles bei Dir erst erfahren, das hat mich immer erfreut. Die Lerche ja ich mag sie auch so gerne, begleitet sie mich doch so oft auf meinen Hunderunden. Einer der wenigen Vögel welchen ich erkenne!
    Liebe Grüße und noch alles Liebe für das neue Jahr,
    Kirsi

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Nina,
    ich habe immer gerne hier deine Beiträge gelesen und freue mich auch im neuen Jahr hier wieder gut unterhalten zu werden. Vielen lieben Dank für deine Beträge!! Und alles Liebe und Gute zum neuen Jahr!!
    Ganz liebe Grüße
    Annette

    Gefällt 1 Person

  4. „.. dann steigt die Lerche hoch empor und singt ihr frohes Lied mir vor…“ geht es mir durch den Kopf. Als Kind auf dem Lande war sie mir ein geläufiger Vogel. Vor Jahren, als ich noch regelmäßig in der alten Heimat war, hab ich sie vergeblich gesucht. Ein liebenswürdiger Vogel! Schön, dass du ihn ausgewählt und gestaltet hast,
    für das Neue Jahr wünsche ich dir und deinen Lieben alles Gute.
    ❤️lich
    Astrid

    Gefällt 1 Person

    1. Das Lied der Lerche hat auch mich von Kindesbeinen begleitet und tatsächlich haben wir hier so Stadt nah auch einige, Dank Schutzgebiet.
      Hab vielen Dank und all die lieben Wünsche auch Euch, auf ein verheißungsvolles, neues Jahr
      Liebe Grüße
      Nina

      Gefällt mir

  5. Liebe Nina,
    wie schön, die Lerche als Abschluss deines Projekts. Auch der Stempel ist wieder meisterhaft!
    Wegen mir kannst Du gerne weiter monatlich Vögel vorstellen, ich finde es immer noch interessant 😊

    Euch auch einen guten Rutsch – jetzt ist es ja schon bald so weit – meine Familie hört sich schon alte Bratschenkonzerte an 😂
    Liebe Grüße
    Nanni

    Gefällt 1 Person

  6. Ach, da wird mir ganz wehmütig bei deinem herrlichen Stempel. Als wir hier vor zwanzig Jahren bauten, konnten man morgens noch Lerchen sehen. Sie sind inzwischen alle verschwunden. Danke, dass du uns mit deinem Jahresprojekt neben deinen tollen Stempeln auch noch soviel an Informationen mitgebracht hast!
    Einen guten Rutsch in eine gesundes, kreatives Jahr wünscht
    Andrea

    Gefällt 1 Person

    1. Ich gebe das Dankeschön gern zurück, Dein Projekt hat da ja nicht nur mich abgeholt und angeregt.
      So unscheinbar wie der Vogel doch aussieht, war ich mir erst nicht sicher, ob ich ihn gestalten konnte, denn so klangvollen ist der Gesang, den ich nicht bannen kann.
      Auf ein schönes, neues Jahr, jawohlja
      Liebe Grüße
      Nina

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..