Hallo Ihr Lieben.
Kennt Ihr noch den Spruch, den man ganz oft schnell hintereinander sagen sollte? Und dann kam was ganz anderes raus? Hirsch heiß ich. 😅😉
Oder auch: Elend, Elentier, Elenhirsch, Elen und Elk
Das heutige Tier liebt Wasser, ist unser größter Hirsch und das Nationaltier der Schweden. Ihr werdet jetzt Einwände erheben wollen, weil ich „unser“ größter Hirsch geschrieben habe, denn wir gehören doch nicht zu Schweden (oder den anderen nordeuropäischen Ländern). Tatsächlich gab es früher bis ins 17. Jhd. in Deutschland viele Elche.
Ja, heute geht es um diese unverwechselbaren, großen ( bis zu 2.30 m Schulterhöhe) Tiere. Und ja, die gibt es endlich auch wieder in Deutschland.
Elche (Alces alces, wissensch. Name) leben gern in kühlen Nadel- und Laubwäldern. Sie bevorzugen lichte Baumbestände mit vielen Sträuchern. Weitläufige bewaldete Gebiete mit Seen und Feuchtgebieten wie Sümpfen und Flussauen werden von den großen Hirschen mit dem besonderen Aussehen gemocht. Aber manche fühlen sich auch in der Tundra wohl, in der weniger Bäume, dafür mehr Kräuter und
Gräser wachsen. Sie fressen gern Knospen und Triebe von Weichhölzern wie Pappeln, Birken oder Weiden. Im Herbst gibt es Kieferntriebe oder Blaubeerzweige. Besonders lieben sie Wasserpflanzen. Danach tauchen sie sogar!
Natürlich habt Ihr alle schon mal das dreieckige Warnschild mit der Silhouette dieses großen Tieres gesehen. Und sei es nur als Aufkleber auf der Kofferraumklappe des Autos vor Euch. Und so manche*r kennen den Elchtest noch, den Autos früher bestehen sollten (Link Wikipedia)
Zu gern hätten wir letztes Jahr noch Elche in Schweden gesehen. Wir waren auch ganz in der Nähe eines Elchparks, aber natürlich kann und darf man da nicht mit einem Hund rein. In Schweden wird übrigens im Frühjahr live im Fernsehen (WDR Beitrag) die Elchwanderung übertragen.
Dass Elche mittlerweile in den nordöstlichen Teil Deutschlands zurück gekehrt sind, wissen die wenigsten. Ein Grund mehr für mich, diesmal mir mehr Wissen über Elche anzueignen. Vor Jahren habe ich schon einmal hier etwas über die Tiere berichtet, passend zum damals geschnitzten Stempel.

Ich finde diese großen Hirsche einfach viel zu interessant um sie nicht in mein Jahresprojekt aufzunehmen. Denn wie gesagt, sie lieben Wasser! (Es gibt zB. Fotos von einem Elch auf Usedom, der ins Meer zum Baden geht)
In Brandenburg gibt es mittlerweile 15 nachgewiesene, meist einzelne Elche, die aus Polen eingewandert sind. Auch mehren Sichtungen in MV, Sachsen und Bayern gab es. Tiere die aus Tschechien und Polen über die Grenzen wandern. Durch Wildkameras und Sender wissen Naturschützer von den wandernden Tieren und denen, die in den Gebieten bleiben. Gerade junge Bullen gehen auf der Suche nach Partnerinnen auf lange Wanderschaften. Ihre Territorien sind bis zu 1500 Hektar groß. Das entspricht 1.071 Fußballfeldern! In Polen ist die Population durch ein Jagdverbot angewachsen, was den Druck auf männliche Elche erhöht. Es gibt sogar einen Beitrag „dienordstory“ in der Mediathek der ARD.
Ein Elch ist übrigens dauerhaft in Deutschland geblieben: Bert (Link Wildgehegeverband) in Brandenburg. Er hat sich 2018 ungewöhnlicherweise einer Kuhherde angeschlossen. Dank eines Senderhalsbands können Wissenschaftler sein Verhalten und Aufenthalte analysieren. Er macht immer wieder Wanderungen, kehrt aber zu „seiner“ Herde zurück.
Ich möchte Euch die Tiere noch genauer vorstellen:
Elch (Alces alces)
Die weltweit größte Hirschart (zu de Trughirschen gehörend) kommt in Noramerika, Nordeuropa und Nordasien vor. Die Größe und Schwere hängt vom Lebensraum ab, die sich ihrer Umgebung meist in der Größe angepasst haben (und iR. das Gebiet im Namen tragen). Erwachsene Bullen in Schweden bringen 390 bis 480, Kühe 300 bis 370 kg auf die Waage. Kanadische und russische Elche werden viel schwerer, bis zu 800 kg.

Damit können Elche eine Gefahr darstellen, vor allem für den Straßenverkehr. Die durch vielen Straßen zerschnittene Landschaften zwingt die Tiere dazu, auf ihren Wanderungen auch vielbefahrene Straßen zu überqueren. Im Winter lockt sie auch das mineralische Streusalz. In Schweden werden durchschnittlich zwischen 4.000 und 5.000 Verkehrsunfälle jährlich mit dem Großhirsch gemeldet, vor allem die einjährigen Jungtiere erwischt es und Bullen bei ihren Wanderungen zur Brunftzeit. Und das sind ordentliche „Kawänsmänner“, die dann auf das Auto fallen. Also nehmt die berühmten Schilder mit der Elch Silhouette ernst, wenn Ihr dort unterwegs seid. (Auch diese Tiere werden vom Scheinwerferlicht geblendet und bleiben stehen) Allerdings leben in Schweden 300.000 bis 400.000 der Tiere und diese sind, wie erwähnt, sehr wanderfreudig! Wenn sie übrigens rennen, können sie 50-55 km/h erreichen.
Elchbullen tragen auf ihrem Kopf das unverwechselbare große Geweih aus breiten Schaufeln, verzweigten Stangen oder einem Mix aus beidem. Vor allem alte Bullen haben große Schaufeln. Dies ist zum Angeben, um eine Elchkuh zu beeindrucken. Dabei veranstalten sie durch wildes Gehabe Schaukämpfe mit Büschen und jungen Bäumen oder kämpfen natürlich gegen echte Rivalen und versuchen sie zurück zu schieben. Verletzt wird dabei meist kein Tier. Aber diese Zeit verbraucht viele Reserven. Die Paarungszeit liegt im Herbst, bevor es kalt wird.
Elche fressen fast den ganzen Tag. Und wenn sie nicht fressen, kauen sie das runtergeschlunge Grün wieder. So wird sich ein Fettvorrat für den Winter angelegt, wo sie weniger Grün finden um den Tagesbedarf zu decken. Eine Besonderheit bei den Zähnen: sie haben im Oberkiefer keine einzelnen Schneidezähne sondern eine unempfindlich Gaumenplatte. Die unteren Schneidezähne pressen dann dagegen beim Pflücken der Nahrung und können so auch gut größere Pflanzen(mengen) trennen.
Nur zur der Paarungszeit treffen sich Bullen und Kühe. Die Elchkühe ziehen über das Jahr mit dem Nachwuchs umher, die Bullen sind Einzelgänger.
Elchkühe sind ca. 8 Monate lang trächtig, dann kommen ein oder zwei Kälbchen auf die Welt. Ein gerade geborenes Kalb wiegt etwa 15 Kilogramm. Es kann zwar kurz danach aufstehen, bleibt aber trotzdem paar Tage versteckt liegen, während seine Mutter auf Nahrungssuche geht. Sie entfernt sich nie weit, um es beschützen zu können. Wolf oder Bär wären die natürlichen Feinde. Wenn nötig, verteidigt die Elchkuh ihr Junges mit kräftigen Tritten. Vier Monate trinkt das Kalb bei der Mutter, dann kommt immer mehr Grünfutter dazu. Ein Jahr bleibt das oder die Kälber bei der Mutter, dann kommt der neue Nachwuchs und das Jährlingskalb muss nun für sich alleine klar kommen. Die Aufmerksamkeit der Mutter ist nun auf das neue Kalb gerichtet.
Das unverwechselbare Schaufelgeweih des Bullen ist wirklich etwas Besonderes. Es kann bis zu 135 Zentimeter breit und 20 Kilogramm schwer werden. Das Geweih besteht aus Knochensubstanz, die wie der restliche Körper, durchblutet ist. Verletzungen dort merkt das Tier also. Im Winter nach der Paarungsszeit werfen die Bullen ihr Geweih ab. (Das ist bei allen Hirschen so) Ab dem Frühling wächst dann ein neues Geweih. Bis zu 2,5 Zentimeter am Tag kann so ein Geweih täglich wachsen. Das braucht natürlich auch nochmal viel Energie. Je älter der Elch wird, desto größer und stärker wird sein Geweih. Aber etwa ab dem 10. Lebensjahr setzt das Geweih dann zurück, dh., es wird jedes Jahr kleiner (der „Bart“ übrigens auch). So kommen jüngere, vielleicht fittere Tiere zum Zuge und mischen den genetischen Pool wieder auf.
Ebenfalls unverwechselbar ist der restliche Kopf dieser Tiere mit der wirklich großen, nach unten gebogenen Nase. Die grosen Nasenlöcher kann das Tier verschliesen und so unter Wasser tauchend auch fressen.Die Tiere leben in Gebieten, die im Winter auch locker mal -40 Grad haben. Ihr kennt das sicher selber, im Winter soll man die kalte Luft durch die Nase einatmen. Diese wärmt die Luft etwas vor. Wenn der Luftweg bei der Elchnase also noch ein wenig länger ist, da verzwegte Nasengänge, wärmt das natürliche entsprechend die eiskalte Luft vor. Und gut riechen können sie mit der großen Nase auch noch. Oberlippe und Nase gehen ja eigentlich ineinander über, sie wird Muffel genannt.
Auch sonst ist der Elch gut für den Winter gerüstet. Fett wird eingelagert, vor allem der „Buckel“ und der „Kehlbart“ ist gut zum extra Einlagern. Nebenbei sind dort auch mit die längsten Haare, die der Bulle zum Imponieren aufstellen kann. Und apropos Haare, diese sind dicht, gewellt und vor allem hohl! Wie Ihr vielleicht wisst: Luft wirkt wärmend und isolierend.
Im Sommer brauchen Elche daher wohl auch so viel Abkühlung im Wasser, sie schwitzen nicht. Und mit ihren recht langen Beinen können sie entweder lange über den Grund laufen oder hervorragend schwimmen. Sie fressen nämlich auch besonders gern Wasserpflanzen. Hier gibt es übrigens etwas Einzigartiges: Elche sind Paarhufer, aber nur Elche haben eine Schwimmhaut zwischen den beiden Klauen! Das ist nicht nur zum Schwimmen gut. Auf festem Boden bleiben die Klauen zusammen. Doch auf schlüpfrigen, nassen Untergrund werden sie bis zu sieben Zentimeter gespreizt und die Haut dazwischen öffnet sich fächerartig. Im Sumpf und auch im Schnee gibt das besseren Halt, sie sinken trotz großer Masse weniger ein. Übrigens, gegen die vielen Mücken in den feuchten Wälder hilft dann schon wieder das dichter Fell.
Neben der guten Nase sehen Elche auch sehr gut, auch in der Dämmerung und Nacht und durch die Lage der Augen am Schädel seitlich eine Rundumsicht, fast 360°. Und die einzeln bewegbaren Ohren hören gut, zB. bis zu 3 km weit entfernte Artgenossen. Übrigens, die großen Tiere sieht man kaum, wenn sie still zwischen den Bäumen stehen. Der Elch entwickelte sich recht spät nach der letzten Eiszeit aus den ausgestorbenen Riesenhirschen, dass ist relativ spät vergleichbar mit anderen Tieren.
Der Elch ist nicht unbedingt bedroht, auch wenn sein Lebensraum weltweit geschrumpft ist. Was ihm neben dem Mensch zu schaffen macht, ist die Klimaerwärmung. Wie erwähnt sind sie hitzeempfindlich. Genau wie viele der Pflanzen, die sie fressen. Diese wachsen langsamer oder vertrocknen sogar. Vermutlich wegen der Erderwärmung überleben immer mehr Parasiten. Wissenschaftler haben festgestellt, dass weniger Kälber (deswegen?) geboren werden.
Schutzbemühungen (zB. Jagdverbot in Polen) über Grenzen hinweg versuchen dem Elch eine bessere Zukunft zu geben. Auch Deutschland heißt ihn willkommen.
Eine Geschichte, die ich gerne im Zusammenhang mit den Recherchen diesen Monat gelesen habe, ist „Der Elch der Ewenken“, aus dem Volksgut der Ewenken, den Rentiernomaden in der Inneren Mongolei in China. Sie beschreibt, wie ein verwaistes Elchkalb einem Nomaden und Jäger folgt, bis in seine Hütte und er es dann groß zieht, bis es größer als seine Rentiere ist. Die ungewöhnliche Freundschaft kann nicht so bleiben, der Elch muss zurück in die Natur. (Ich habe bei den Recherchen dieses wunderschönes Bilderbuch entdeckt, bestellt und zeige es Etwas. Ganz wunderschönes Bilderbuch für Groß und Klein. Es gibt übrigens viele Geschichten vor allem für Kinder mit Elchen, Ihr kennt vielleicht „Olaf“ oder „Es ist ein Elch entsprungen“)


Tja, ich glaub mich knutscht ein Elch (Filmtitel, wurde dann aber fleißig statt „…mich tritt ein Pferd“ genutzt, ich schreib und schreibe, muss dringend mal ein Ende finden. Es gibt einfach zu viel über die größten Hirsche zu erzählen. Aber „die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche“ (von F. W. Bernstein Wikipedia) muss ich mit rein nehmen. Ich könnte Euch noch die irrige Annahmen über umkippende Elche aufschreiben (nachlesbar bei Cäsar im sechsten Buch „De bello Gallico“ in dem er über den Herkynischen Wald in Germanien schreibt. Hier leben eben Elche und die haben keine Kniegelenke, weswegen sie an Bäumen angelehnt schlafen. Kippen sie um, können sie nicht mehr aufstehen, was die Jagd der Germanen auf sie sehr erleichtert. Und Plinius… Ach, jetzt ist aber gut)
Verlinkt als Beitrag zum Jahresprojekt bei der Zitronenfalterin und dem creativsalat und Magic Craft
Ich hoffe, die Reise zu diesem besonderen Hirsch hat Euch gefallen. In Schweden hat man manchmal in den Wäldern das Gefühl gehabt, gleich kommen Tomtas, schwedischen Wichtel, auf Elchen durch den Wald geritten.

Euch allen einen schönen ersten Mai!
Hinterlasse eine Antwort zu Kirsten Antwort abbrechen