kurz möchte ich Euch dieses Hörbuch/Buch von Astrid Lindgren sehr an`s Herz legen. Als Kinderbuchautoren ist sie ja nun fast jedem bekannt. Im letzen Herbst wurde nun ihr Tagebuch, welches sie von 1939-1945 geführt hat, veröffentlicht. Das Hörbuch wird übrigens von der Synchronstimme von Pippi gesprochen, Eva Mattes. Und wie uns der Titel schon ahnen lässt, es geht um den Weltkrieg, der direkt vor der schwedischen Haustür steht. Schweden versucht neutral zu bleiben. Die Schrecken des Krieges bekommt Astrid Lindgren trotzdem mit und verarbeitet sie in diesem Tagebuch. Was ist gut und was ist böse? Die Gegensätze zwischen Schrecken und Sommerurlaub. Und aus einem Bericht im Fernsehen vor Weihnachten 2015 weiss ich, dass A. Lindgren, die als Sekretärin arbeitete (und Tippwettbewerbe gewonnen hatte,) auch für den schwedischen Geheimdienst arbeitete. Über sich selber schreibt sie wenig, wer da mehr erfahren möchte, greift lieber zu einer Biographie. Astrid Lindgren hat ihre wachsender Popularität später dafür genutzt, auf Mißstände hinzuweisen, hat dabei kein Blatt vor den Mund genommen. Ihre Kinderbücher sind immer auch ein Aufruf zu mehr Selbstbestimmung und Menschlichkeit. Pippi Langstrumpf ist dafür das beste Beispiel! Vielleicht hat das Tagebuchschreiben auch dazu geführt, dass A. Lindgren anfing Bücher zu schreiben, denn: „Richtig glücklich bin ich nur, wenn ich schreibe.“ Das Tagebuch ist erschreckend aktuell. Leider fehlt einem ein gewisser historischer Rahmen, den man vielleicht zum besseren Verständnis hätte anhängen können.
Und das Buch über *Politik* für Kinder und Jugendliche kann ich sehr empfehlen. Kurz und mit den wichtigsten Informationen rund um das Thema: was ist Demokratie, was ist ein Diktator, woher kommt Demokratie, was ist Wahlrecht,… Ich finde, es ist nie zu früh oder zu spät, Kinder und Jugendliche zu mündigen Bürgern zu erziehen. Das Wenige, was in der Schule beigebracht wird, reicht mir da nicht. Ich möchte auch diskutieren können, versuchen Interesse zu wecken, nur wer informiert ist, kann sich beteiligen. Ich muss mir dabei auch an die eigene Nase fassen…
Wie man sieht, habe ich beide Titel aus der Bücherei ausgeliehen. Sehr praktisch so Büchereien! Denn man kann sich gar nicht alles kaufen, was einen interessiert und manchmal findet man bei Stöbern einfach auch was Feines.
„Die Bücherei ist der beste Ort einem Einhorn zu begegnen!“
Draussen stürmt es ordentlich. Die grossen Pfützen sind schon alle vom Wind getrocknet worden. Zwischendrin schaute die Sonne mal raus und wir sind schnell mit dem Troll gegangen, der mag nämlich keinen Regen, genau wie wir.
Und dieses Wetter ist doch prima geeignet, um zu backen:
Mandelgebäck oder Cantuccini, ein Rezept aus Oberitalien. Wie Zwieback wird das Gebäck zwei mal gebacken.
Ich gebe Euch mal das Rezept, das ich aus einem tollen Weihnachtsbuch habe:…auch wenn es ja noch etwas mit der Adventszeit dauert…
nach dem ersten Backvorgang
Zutaten:
50g Butter, 250g Zucker, 2 Eier, 1 El Vanillezucker, Schale von 2 Bio Zitronen -frisch gerieben- 250g Weizenmehl und 180-200g ganze ungeschälte Mandeln (Backpapier)
Also: Die Butter sollte weich sein und wird dann mit dem Zucker zusammen schaumig gerührt, bis der Zucker sich aufgelöst hat. Die Eier werden dann unter gründlichem Rühren einzeln dazu gegeben. Ich lasse übrigens das Vanillezucker immer weg, ich schmecke keinen Unterschied, es kommt ja schon recht viel Zucker in den Teig. Dafür kommt eine Prise Salz bei mir hinzu. Die Zitronenschale reibe ich immer frisch ab, das Aroma ist so viel intensiver als bei dem getrockneten Granulat, welches man kauft. Und alles danach riecht so wunderbar nach Zitrone! Alleine deswegen mache ich dieses Mandelgebäck so gerne! Die geriebene Schale nun in dem Teig unterrühren und nach und Nach das Mehl dazu und die Mandeln. (Es gibt halt nur im Winter wirklich gute Bio Zitronen). Der Teig wird jetzt sehr zäh und Eure Küchenmaschine muss schon ein wenig kämpfen. Aus dem Teig formt Ihr nun zwei Stränge, (Ihr könnt das Backpapier auch als Hilfe dafür nehmen,) die nun erst mal kühl 30 min ruhen sollten, z.B. im Kühlschrank. (Ich habe nie Platz im Kühlschrank, daher steht das Blech einfach im kühlen Keller für ca. 1 Std.) Der Ofen wird auf 175°C vorgeheizt und das Blech wird auf die untere Schiene geschoben, wo die Stränge ca. 30 min backen, so dass sie leicht goldbraun werden. Danach lasst Ihr sie abkühlen und nun benötigt Ihr ein scharfes, grosses Messer. Die Stränge werden in ca. 1 cm. breite Streifen geschnitten und nur ein scharfes Messer geht da auch gut durch die Mandeln.
Das Blech mit den durchgeschnittenen Stücken wird nun noch mal in den Ofen geschoben, ca 20-30 min. bei 175°C , bis die Kekse braun und trocken sind.
Ach, ich backe immer das 3-fache Rezept!
Ahhh, bestes Gebäck „ever“ zum Dippen in Kaffee! Und dazu ein gute Buch gemütlich auf dem Sofa. So kann man auch den windigen Novembertag aushalten, oder? Ich habe mir den letzen Roman von Terry Pratchett, *Die Krone des Schäfers* gekauft. Ja, leider sein letzter, denn dieser wunderbare Autor ist leider dieses Jahr nach längerer Krankheit verstorben. Vor allen Dingen seine Scheibenweltromane werden mir und meiner Familie fehlen. Mein lieber Mann kauft Pratchett immer im englischen Original und hat es schon mit Wehmut gelesen, ich habe mir dann noch mal die Übersetzung geholt. Wer Wortwitz, klug durchdachte, oftmals komische Fantasy mag, sollte unbedingt mal etwas von diesem Autor lesen. Und mit dem Alter wurden seine Bücher immer weiser und manchmal böser, meines Erachtens besser. Missstände und/oder was Pratchett bewegte, alles wurde klug eingewoben. So erwischen einen manchmal die Geschichten in Herz und Hirn und wo man kurz vorher noch laut gelacht hat, man nun zum Nachdenken gebracht wird. Nun wird es keinen Karotte mehr geben, keinen Detritus, keine Angus und natürlich auch Ihren Anführer Sam Vimes in Ankh-Morporks „City Watch“ mehr geben. (Das sind übrigens ein menschlicher Zwerg, eine Werwölfin und ein Troll, ihr Anführer ein knurriger Kautz, Pratchetts Version von Multikulti).
Tja, das Star Wars Fieber geht auch an mir nicht vorbei und ich gestehe, ich freue mich auf den neuen Film im Dezember. Von K. Hearne habe ich schon die im Deutschen erschienen Eisen-Druiden Bücher mit Genuss und Spannung gelesen und den 1. Band höre ich gerade noch mal als Hörbuch. (Ein alter keltischer Druide in unserer Zeit, versteckt in den USA). Daher konnte ich dem Luke Skywalker Buch nicht widerstehen. (Es gibt ja solche und solche Bücher aus diesem Franchise). Nun, ich werde bestimmt berichten…
Heute hab ich ganz viel was ich hier reinpacken möchte. Am Wochenende habe ich mit dem Sohn Cookies gebacken. Seid wir in Schottland waren, wollten wir das mal endlich auch selber machen.
Im Geschäft sind die immer so teuer, dabei sind sie so einfach zu machen… aber fast genau so schnell auch wieder weg. Ein einfaches Grundrezept geht so:
280g Mehl, 250g Butter, 200g Rohrzucker/Zucker, 2 Eier, 1 Tl Natron (ich nehme aber immer Backpulver), 1/2 Tl Salz und 250g gehackte Schokolade (nach Belieben Zartbitter, Vollmilch, weisse oder mischen)
Wer etwas experimentieren mag, nimmt verschiedene Schokoladen, mischt gehackte Mandeln oder Nüsse unter oder auch Cranberries. Wir haben es so gemacht, dass wir als erstes Blech nur Schokolade genommen haben, Zartbitter und Vollmilch. Beim zweiten Blech habe ich dann gehackte Mandeln dazu gemischt und zum Schluss noch mal etwas weisse Schokolade. Diese ist aber *untergegangen*.
Butter, Zucker, Salz (ja, die Menge ist wichtig, schmecken dann viel besser, wie beim Karamell) verrühren, bis der Zucker aufgelöst ist. Den Ofen auf 190°C vorheizen.
Die Schokolade klein hacken und bei Seite stellen. Unter das Buttergemisch nun die Eier, Mehl und Backpulver rühren. Zum Schluss erst die gehackte Schokolade unterrühren. Wer die Cookies noch schokoladiger mag, der rührt etwa einen El echten Kakao noch unter. Nun mit zwei Esslöffel den Teig auf vorbereitete Backbleche verteilen. (Mit einem kleinen Eislöffel geht das übrigens auch recht gut.)
Nun das Blech auf mittlerer Schiene, bzw die Bleche (bei Umluft ca 10°C weniger), 8-10 min lang backen. Die Mitte des Cookies sollte noch weich sein! Auf dem Blech erkalten lassen und dann in Dosen zu Türmen gestapelt verwahren.
Außerdem hab ich so leckeren Apfelgelee und Apfelmuss gekocht. Jaaaa. Apfelgelee, kann doch jeder. Nein! Nicht jeder hat eine Mutter die Gott sei Dank im Garten alte Apfelsorten hat. Die Rote Sternrenette z.B., aus denen hab ich den Gelee gemacht und weil sie so viel Eigenaroma haben, kommt da auch kein Zimt, Anis oder sonst was rein.
Wie man sieht, ist dies Fallobst durch Würmer und starken Wind. Denn eigentlich bleibt der *Weihnachtsapfel* noch etwas hängen. Seine Erntezeit geht von Oktober bis in den Dezember. Da die Sorte aber windanfällig ist, bekommen wir schon im Altweibersommer erste Früchte.
Wenn der Apfel richtig reif ist, hat der Stern in der Mitte noch mehr rote Adern um sich. Hier eine Zeichnung aus einer alten Pomologenzeitung. Der Apfel ist über 200 Jahre alte und man vermutet, dass er aus der Gegend von Maastricht stammt. Dieser Tafelapfel hat nicht nur hohen Zierwert, er ist vielfach einsetzbar: Frischverzehr, Backen, Keltern, Lagerapfel bis nach Weihnachten, sein Fruchtfleisch ist fest und süßsäuerlich. Der Baum ist allerdings starkwüchsig und benötigt viel Platz. In Beschreibungen steht oft, dass er auch in höheren, kälteren Lagen stehen kann. Aber er braucht gute, keine trockenen Böden. Früher wurden besonders schöne Exemplare dann mit etwas Fett eingerieben, dass sie schön glänzten und auf den Weihnachtstisch gelegt oder in den Tannenbaum gehängt.
Einen ganz besonderen Duft verströmt hier bei uns gerade der DülmenerRosenapfel. Auch eine alte Sorte aus dem Garten meiner Mutter. Das alte Bild ist aus dem Erfurter Führer im Obst- und Gartenbau. Diese alte robuste Sorte von 1870 hat einen besonders zarten Duft, das Fruchtfleisch ist saftig, fein würzig und schmeckt nicht zu süß und nicht zu sauer. Der Apfelbaum ist von mittelstarkem Wuchs und trägt regelmässig. Auch dieser Apfel lässt sich gut lagern und kann sowohl als Tafelapfel als auch als Wirtschaftsapfel gut gebraucht werden. Genau wie die Sternrenette steht er oft auf Streuobstwiesen. Ich hab mir aus dem Korb hauptsächlich die kleineren Äpfelchen geklaubt, da man die so gut mitnehmen kann, nicht nur zur Schule.
Aus dem Fallobst des Dülmener Rosenapfels hab ich Apfelmus gekocht. Meine Leibspeise zusammen mit frischem, selbstgestampftem Kartoffelpüree. So schwelge ich regelrecht im Moment im Ernteherbst. Bald werden auch wieder Apfelchips gemacht. (Ich habe eine Schälmaschine, die auch gleich den Apfel schön in Spiralen schneidet und dann lege ich einen Fliegengitterrahmen auf unseren Ofen, wenn wir damit heizen und trockne die Apfelscheiben.)
Passend dazu habe ich dieses handbemalte Porzellan gefunden, Sammelgedeck. Meine Mutter hat mir den eindrucksvollen Kaktus aus Spanien mitgebracht und so stehen mit den Sukkulenten und den Herbstboten, sowie den letzen Blüten aus dem Garten, zwei Jahreszeiten hier.
Denn die Nächte werden jetzt mit einem Mal sehr viel kühler, auch wenn die Sonne tagsüber noch viel Kraft hat. Den stundenlangen Regen mochte man auch lieber von drinnen sehen. Jetzt sitzt man abends auf dem Sofa und kuschelt sich bei einem Buch ein, statt wie noch vor Kurzem auf der Terrasse.
Und natürlich musste ich mir dieses Buch kaufen! Außerdem hab ich noch im Trödel den dicken Wälzer ergattert:
selbstgekauft: Schottendicht, Ullstein Vlg
Ein Bildband über die berühmte Fotoagentur Magnum. Vielleicht ist Euch eher der ein oder andere Fotograf dieser Agentur bekannt: Robert Papa, Henri Cartier-Bresson, W. Eugene Smith, Marilyn Silverstone, Marc Riboud, Steve McCurry,…Viele Fotos kennen wir, ohne dass man von den Fotografen weiß. Ob es nun Berühmtheiten wie der Maler Dali, der unbekannte Arbeiter oder Kriegsbilder sind, sie zeigen immer ein Stück Zeitgeschichte. Man kann sich das Buch häufig nehmen und einzelne Passagen darin ansehen, darüber lesen, nachdenken. Gott sei Dank hat mich mein Vater als Teenager schon in eine Magnum Fotoausstellung mitgenommen, so dass ich diesen Schatz auch erkennen konnte.
Heute wird das ein gemischter Beitrag. Ein wenig Nachlese noch vom Urlaub:
Lilian Beckwith hat auf der Isle ob Skye gelebt und die Erfahrungen, die sie dort mit den Menschen machte, inspirierte sie zu sehr schöne, lustige und herzlichen Büchern. „Miss Peckwitt“ kommt als Engländerin wegen ihrer angeschlagenen Gesundheit auf die Hebriden und schildert nun sehr warmherzig die Erlebnisse, die sie mit den Bewohnern und in der einsamen Landschaft hat. Auch wenn die Geschichten in den 50er Jahren (in etwa) angesiedelt sind, so haben sie auch heute ihren Charme nicht verloren. Leider sind die Titel auf Deutsch vergriffen… Aber vielleicht ergattert man ja eins mal antiquarisch. Für mich sind sie gerade eine kleine Schottlandnachlese. Und da wir ja auch in Yorkshire waren, hab ich mir auch noch mal den James Herriot vorgenommen. Der Tierarzt James A. Wight schrieb unter diesem Pseudonym die bei uns bekannte Serie „Der Doktor und das liebe Vieh“, den meisten als Fernsehserie bekannt. Seine beruflichen Erlebnisse verpackte er in humorvolle Kurzgeschichten. Schon als Kind hab ich diese gern gelesen und gesehen. Sie inspirierten mich zu meiner ersten Reise nach Yorkshire als 19jährige. Diese wunderschöne Landschaft hat mich schon damals nicht losgelassen.
Und für alle, die die Reihe der *Gebrauchsanweisungen* noch nicht kennen: diese wunderbaren Bücher geben einen lebendigen Einblick in die Kultur und das tägliche Leben der Länder. Sie werden auch immer wieder vom Verlag Piper neu aufgelegt, sind also aktuell. Wer mehr Hintergrundwissen über Schottland haben möchte, (oder eines der anderen Länder aus der Reihe,) sollte sich diese unterhaltsamen Bücher zulegen. Auch wer gerne Reportagen über Länder und Stätte liest, liegt hiermit genau richtig. Mittlerweile gibt es viele verschiedene Titel. Dann hab ich noch einige Titel auf meinem Stapel. Lachsfischen im Jemen kenne ich schon und auch den Film kann ich sehr empfehlen. Ein Scheich möchte seinem Hobby, dem Fischen auch in seiner Heimat nachgehen. Nun bittet er einen Engländer und Angelexperten, über seine Anwältin, im Jemen Lachse anzusiedeln. Es ist ein Buch über Angeln und Träume, über Liebe und Toleranz und sehr schön geschrieben. Dann hab ich meine lieben Mumien mal wieder hervorgekramt. Wer diese drolligen, finnischen Trolle noch nicht kennt, sollte das schnell ändern. Auch die Zeichnungen sind so liebevoll wie die Geschichten um Mumin, klein Mü, Mumrik, Muminvater und -mutter, den Schnupferich und das Snorkfräulein und wie sie alle heißen. Sie eignen sich auch sehr gut zum Vorlesen! Den Titel „Nennt mich nicht Ismael“ will ich schon lange lesen und hab ihn mir jetzt endlich geholt. Der Hauptcharakter wurde nach dem Ich-Erzähler aus Moby Dick benannt und hasst diesen Namen, u.a., weil er deswegen gehänselt wird. Es soll ein humorvolles Buch sein über das Heranwachsen, Freundschaften und was 14jährigen noch so beschäftigt. Ich bin gespannt.
Dann hatten wir am Wochenende ein Igel Erlebnis. Bei der Hitze lag im Halbschatten zwischen meinen Blumenkübeln ein kleiner Igel, japste und atmete schwer und schien total kraftlos. Also hab ich den Burschen mit Handschuhen in einen Schubarten gesetzt, Wasserschälchen dazu und mit einer Pipette einen Tropfen Wasser auf die Nase geträufelt. Aber erst nachdem wir ihm etwas rohes Ei angeboten haben, von dem er dann schnell was geschlabbert hat, wurde er wieder munter. Nun konnte ich auch genauer sehen, dass er wenig Parasiten hatte und nicht abgemagert war. Aber er brauchte offensichtlich etwas Kühle und Energie, vielleicht hatte er auch sonst ein gesundheitliches Problem, welches wir nur nicht sehen konnten. Doch nach dem er erst recht teilnahmslos im Karton hockte, wurde er bald darauf unternehmungslustiger und wollte raus. Also haben wir ihn dann hinten in den Garten gesetzt, wo viele Verstecke sind. Ich hab extra eine Stelle mit einem umgedrehtem Zinkkübel und einem beschädigten, großen Tontopf hinter den Abfalltonnen. Dort liegen auch Äste und Gestrüpp, perfekt für Igel. Und ab ging es wieder auf Entdeckungstour. Hoffentlich bleibt mir der kleine Kerl oder die kleine Dame erhalten.
Meine ersten Tomaten habe ich jetzt auch geerntet. Und die Trauben sind auch sehr bald reif. So bietet der Garten immer wieder etwas Neues an, Spektakuläres wie Igel oder nicht so *Besonderes* wie Früchte.
Harry Rowohlt ist heute verstorben mit 70 Jahren und nach schwerer Krankheit.
Dies möchte ich mit Trauer im Herzen zum Anlass nehmen, Euch diesen Künstler sehr an`s Herz zu legen und hier etwas vorzustellen.
Schon als Teenager habe ich in der Wochenzeitung „Die Zeit“ seine Kolumne gelesen und gerne dann noch mal als Sammlung in Buchform: „Pooh`s corner„. Das Bilderbuch „Ich, Kater Robinson“ handelt von einem Kater, der sich im Mittelpunkt der Welt sieht und dabei immer einen auf`s Fell bekommt, bis…, ich mag es sehr und bekam es in meiner Ausbildung von einer lieben Freundin geschenkt. Seine Hörbücher von Winnie dem Pooh von A.A. Milne sind wunderbar und zeitlos. Er hat sie übersetzt und Pooh, I-Ah, Ferkel und all den anderen Figuren seine rauchige, wandelbare Stimme geliehen. Pu der Bär – wie er im Deutschen heisst, brachte ihm sogar eine goldene Schallplatte ein. Ein Jahr lang schlief unser ältester Sohn mit den *Geschichten um den Bären von geringem Verstand* ein. Auch seine vielen anderen Kinder – und Jugendbuchübersetzungen sind grandios. Schon sehr früh machte sich Rowohlt einen Namen als Übersetzer, als er das Kinder- und Jugendbuch „Diegrüne Wolke“ von A.S. Neill übersetze. Dieses Buch schaffte es als erstes Kinderbuch auf die Spiegelbestenliste. Gott sei Dank brachte Harry Rowohlt noch so manches gute Kinder- und Jugendbuch vom Englischen in`s Deutsche, so z. B. die lustige Reihe um „Mr. Gum“ von Andy Stanton, oder viele tolle, schräge Bücher von Philip Ardagh. So manches dieser guten Kinder- und Jugendbücher wird auch gern von Erwachsenen gelesen. Sie zeichnen sich vor allen Dingen durch Wortwitz und Einfallsreichtum aus, den hat H. Rowohlt so gut übertragen. Dem Klassiker von Kenneth Graham „Der Wind in den Weiden“ schenkte er eine wunderbare, deutsche Übersetzung. Auch hier lieh er den Geschichten oftmals wieder seine Stimme. Als ich das erste mal in Irland war, kam ich nicht an „Flann O`Brien“ vorbei, der von Harry Rowohlt übersetzt wurde. So hatten wir auch das Glück, in seinem irischen Lieblingspub einkehren zu können. Seine Lesungen waren legendär! Voller Anekdoten und Geschichten und gern von einer Flasche irischem Whiskey begleitet. Nicht umsonst war er auch Whiskey Botschafter. So manch einem ist er wohl auch als Penner mit Rauschebart in der Lindenstrasse bekannt geworden. Aber auch die bissigen Romane von David Sedaris oder die eigenwilligen Comics von Robert Crumb hat er übersetzt. Dabei sollte der Verlegersohn eigentlich in den Verlag seines Vaters einsteigen, aber das war so gar nicht seine Welt.
Er hat uns so viele schöne Stunden geschenkt. Dafür danken wir Ihm. Wir werden wieder einmal eine CD aus unserer H. R. Sammlung in den Player schieben und an ihn denken! Er verstarb am 15.06.2015 in Hamburg.