Jetzt hab ich doch noch etwas Zeit Euch Fotos von der NordOstküste, (Gebiete Moray und Aberdeenshire) zu zeigen. Dorthin waren wir nämlich u.a. wegen dem angesagtem guten Wetter gefahren. In Cullen hatten wir ein wunderschönes Hostel direkt am Hafen. Sonnenausgehungert haben wir uns gleich an den kleinen Sandstrand im Hafenbecken gesetzt, die Jungs sind sogar in`s Wasser gegangen. Die englischen Kinder ziehen alle zum Schwimmen Neopren Anzüge an, denn das Atlantikwasser ist kühl und der Wind oft auch. Sommerlich warme Temperaturen haben wir nicht wirklich bekommen. Aber die Kaimauern strahlten Wärme ab und der Sand war auch wunderbar warm.
Cullen, Blick vom Hafen zur EisenbahnbrückeWasserspassBlick von unserem Hostel am Hafen in CullenKrebskörbePortsay Harbours, ein alter Hafenalte Kaimaueralte Whisky Fässer dekorativ platziertAtlantik, vor dem Hafen, leider keine Delphine gesichtet
Ein kleiner Ort mit einer grossen Hafengeschichte.
Witterungseinflüsseleider etwas unscharf
Der Hafen wurde damals unter anderem für den Export von Portsoy-Marmor gebaut, (kein Marmor, sonder Steine, aus denen u.a. König Ludwig XIV sein Schloss Versailles baute). 1884 wurde der Hafen nach einem heftigen Sturm wieder aufgebaut und als Ausgangspunkt für Heringsfischerei genutzt.
So, letzte Bilder vom Museum und danach geht es zu einem anderen Liebling von uns: Whisky
gute StubeWaschküche
Single Malt Whisky, Scotch, uisge beatha oder usquebaugh,(der Klang dieser gälischen Bezeichnung führte später zur heutigen Schreibweise,) Wasser des Lebens:
Natürlich hatten wir uns die Destille in Oban auch angesehen, sie liegt ja mitten im Ort. Eine Besonderheit: der Ort wuchs um die Destille, aber die Destille konnte dadurch nicht mehr wachsen, so heißt es auch, sie sei die kleinste Whisky Brennerei. Man kann in vielen Destillen eine Führung buchen und bekommt neben den Erklärungen, wie der Whisky produziert wird, auch so einige Anekdoten erzählt. Am Ende gibt es dann natürlich auch eine Verkostung des kostbaren Wassers. Jeder Whisky schmeckt, trotz gleicher Herstellung, anders und jede Destille zeigt einem andere Kleinigkeiten oder Besonderheiten, so dass wir drei besucht haben.
Dalwhinniehöchste Destille Schottlands in den Highlands
Dalwhinnie ist die höchst gelegene Destille. Hier kann es im September schon mal anfangen zu schneien und im Winter gibt es auch mal schnell über Nacht 2 m Schnee. Übrigens gab es hier neben dem Glas Scotch ein kleines Stück Schokolade und dies schmeckte einzeln, als auch zusammen wie ein Traum. Der Schokolatier stellte dieses Naschwerk nur mit purer Schokolade und regionaler Milch her, keinen Zucker. Und doch schmeckte es nicht bitter, sondern süß. Kein Wunder, das es diese Schokolade u.a. auch im Orient Express gibt. Für Glenlivet waren wir leider zu spät dran und die Destille Tomintoul, ganz in der Nähe, führt nur Führungen nach Vereinbarung durch. Aber wir hatten ein Hostel im Ort Tomintoul gebucht, das Smugglers Hostel. Sehr passend, oder?
Smugglers Hostel in TomintoolTomintoulBenromach
Natürlich gibt es auf dem Whiskey Trail viele Brennereien zu besichtigen, aber wir haben uns dann nur noch für eine kleine im Gebiet Speyside entschieden, es war eine tolle Führung bei Benromach und wir durften hinterher sogar den 10 jährigen und 15 jährigen probieren.
Spirit Safe, hier fließt das Herzstück des Whiskys durch ein Zählwerk, damit wird u.a. die Steuer berechnet
Marschbottich (aufgeschnitten)
Hier wird erst seid einigen Jahren wieder Whisky gebrannt. Schön war hier vor allen Dingen, dass man diese alten Geräte ansehen und auch fotografieren durfte. Aus Sicherheitsgründen ist dies in den Destillen selber nämlich untersagt. So könnt Ihr Euch vielleicht auch vorstellen, wie er hergestellt wird:
Als erstes muss die Gerste ankeinen, damit gärfähiger Zucker entsteht, das nennt man Mälzen. Dazu weicht man das Getreide in Wasser ein, welches i. R. vor Ort aus Quellen/Bächen genommen wird. Der Keimvorgang wird dann durch Hitze unterbrochen. Dazu wird der Rauch von Feuer genommen, dem Torf beigefügt wird, eine weitere lokale Komponente. Wasser und Torf geben schon mal die ersten speziellen Noten. Nun wird gemaischt. Warmes Wasser wird mit dem inzwischen geschrotetem Malz in Bottichen vermischt und ähnlich wie wenn wir Brot backen oder Bier brauen, riecht dieses Gemisch stark hefig, denn es gärt nun in den Riesenfässern. Die vergorene „Würze“ wird nun in grosse, kupferne Brennblasen geleitet und die Destillation beginnt. Die meisten kennen dies noch aus dem Chemieunterricht. Alkohol, der ja einen niedrigeren Siedepunkt als Wasser hat, verdampft und kondensiert wieder in grossen Spiralen.
jeder gebrannte Tropfen geht hier durch
Im Safe kann man die Abscheidung gut beobachten. Der erste Brennvorgang produziert nur low wine und der Alkoholgehalt ist noch nicht hoch genug, also wird noch mal gebrannt. Nun wird der Whisky in Fässer gefüllt und muss mindestens 3 Jahre darin reifen. Die Brennereien lagern ihren Whisky nun in verschiedenen, gebrauchten Eichenfässern. Hier unterscheiden sich die Destillen, denn manchen nehmen Sherry Fässer, manche Bourbon, Portwein, Cognac oder Madeira Fässern. Manchmal wird umgefüllt nach einigen Jahren. Bei der Lagerung geht einiges an Whisky verloren, verdunstet und man nennt dies Angels`Share. Die meisten Destillen lassen den Whisky mindestens 10 Jahre so ruhen und nicht nur das Fass, sondern auch die Umgebung prägen nun den Whisky, (z.B. Salz durch Meeresluft). Bei der Abfüllung wird noch mal Wasser hinzugefügt, der Alkoholwert ist noch zu hoch. Manchmal werden auch cask strength, also Fassstärken, abgefüllt. Das Aroma ist dann intensiver, aber durch den hohen Alkoholgehalt entfaltet er sich oft nur, wenn man noch einen Tropfen Wasser dazu gibt. Benromach hat uns besonders gefallen, die kleine Destille hat noch nicht wieder so lange auf und der Führer erklärte uns, dass man nach der Wiedereröffnung erst mal von anderen Destillen Handwerksmaterial zusammen suchen und kaufen musste, denn nach der Stilllegung war nichts mehr vorhanden. Auch will diese Destille sich etwas abheben und Speyside Single Malt Scotch mit rauchiger Note brenne, so wie sie früher dort produziert wurden, (also wird mehr Torf zum Feuer gegeben). Vor allen Dingen der 15 jährige hat uns gut gefallen, sehr rund, mit Süsse und Rauigkeit.
Nun hab ich Euch viel über das schottische Wasser des Lebens erzählt. Der ein oder andere kennt schon Whisky, aber vielleicht hab ich noch jemand begeistert. Ich finde allein den Aufwand, der für dieses Getränk gemacht wird, beeindruckend. Leider ist in Schottland der Scotch so teuer, dass ihn sich die meisten Schotten nicht leisten können. Oft ist der Whisky im Ausland preiswerter und beliebter als im Herstellungsland.
Slàinte mhath (Gälisch für „gute Gesundheit“ und Trinkspruch)
In Newtonmore haben wir uns das Highland Museum angesehen, welches vergleichbar mit unseren Freilichtmuseen ist. Abseits von Verherrlichung wird einem hier das harte Leben der Crofter gezeigt. Wir waren z.B. auch in einer Schule, die bis in die 1980er Jahre noch so benutzt wurde. Aber auch die ganz alten Häuser konnten wir bewundern. Hier wurden Einstellungen aus der Serie „Outlander“ gedreht. Und bei Gott, dass waren alles keine „gute alte Zeiten“! Allein wie viel Menschen sich auf so kleinem Raum gedrängt haben. Früher war nicht alles besser, aber eindrucksvoll und staunend hab ich immer wieder die kleinen Schönheiten und die Handwerkskunst angesehen.
Schlafstube eines Cottage in den 20er-30erSchlafstelle in den 40erSchäferhütteKüchenutensilienalte Hofstellefür StrohgarbenLieblingsladenKamin in einer alten Schule
In der alten Schule saßen die Kinder bis in die 1980er noch in alten,engen Bänken und übten. Der „Lehrer“ erzählte uns, dass auch die Prügelstrafe erst in dieser Zeit abgeschafft worden sei. Er trug den entsprechenden Lederriemen über seiner Schulter und demonstrierte ihn eindrucksvoll an einem Hocker. Auch sonst waren diese Schulzeiten doch anders, jeden Tag der gleich Stundenplan, beginnend mit Gebeten. Die Kinder saßen von der ersten bis zu siebten Klasse hier zusammen, von 9,00 Uhr bis 16,00 Uhr. Hausaufgaben gab es auch noch, nicht zu vergessen, dass man jetzt noch nach Hause laufen und dort auch noch helfen mußte.
kein Hockey… und friedlich sieht das auch nicht aus: Shintyfür kräftige MännerWinterbeschäftigungalte WerkstattSchreinereialter WebstuhlKaminstube mit Blick in die gute Stubeund mit Spezialtreppe
Wir kamen nach einem kleinen Spaziergang noch in ein altes Crofter Dorf und man meinte, Rob Roy zu sehen, wenn man aus den kleinen Häusern heraus trat. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es im Winter in den Highland gewesen ist, in so kleinen, zwar gut durchdachten „Häusern“, mit mehr Torffeuerrauch als frischer Luft, und so eng.
Highlandromantik?Rauchabzug und LichtquelleTorffeuerWolle bearbeiten
während eines Schwätzchens wird nebenbei gesponnen, ja wirklichRiegel aus Holz, einfach und durchdachtZelt des *fahrenden Volkes*
So ein Zelt konnte mit allem Drum und Dran in 30 min auf- und abgebaut werden. Übrigens sieht man im Hintergrund eine bemalte Katzenfigur, sie soll auf den Schutz der Wildkatzen Population hinweisen.
Zwei Wochen waren wir in Schottland unterwegs. Mit dem Auto sind wir von Hoek van Holland nach Harwitch per Fähre übergesetzt und nach York gefahren. Dann haben wir eine Tour durch das vielfältige Schottland gemacht, von dem ich Euch hier ein wenig, (nach und nach,) erzählen und zeigen möchte.
Übrigens, wir hatten uns so schön vorgestellt, draussen in der Sonne das 1. Mal Zuhause wieder zu frühstücken, kaum war aber der Honig auf dem Brot, kamen die Wespen so zahlreich, dass wir sofort wieder in`s Haus geflüchtet sind. Also, Wespenfalle mit Zucker-Essigwasser + Tropfen Geschirrspühler befüllt…
Ein kleiner Vorgeschmack:
York TowerTreasure House in York
loch ken
Oban HafenBlick auf Isle of Mull (von Oban aus)SeehundeLoch Ness