Hallo Ihr Lieben.
In meiner Kindheit waren wir einen Sommer ganz besonders froh, dass dieser Vogel im Fluss unseres Tales wieder zu sehen war.
Ich hatte einmal einen Hautausschlag als Kind bekommen, nachdem ich im Fluss gespielt und gebadet hatte. Nun durfte ich nicht mehr in und an das Wasser. Viele Tiere suchte man vergeblich. Eine zu hohe Belastung mit „gewissen Abfällen“ im Wasser war das Problem. Ein Problem vieler Flüsse dieser Zeit. Als ich dann einige Jahre später diesen Vogel beobachten konnte und davon fragend daheim berichtete, war mein Vater überglücklich. Er konnte ihn sofort zuordnen, hatte er doch viele Jugendjahre am selbigen Fluss verbracht, war dort angeln, schwimmen und Schlittschuhe laufen gewesen.
Ein unscheinbarer, rundlicher, brauner Vogel ist es. Gern auf einem Stein im Flußlauf wippend, (Engl.: Dipper, sehr passend). Manchmal fliegt er auch dicht über die Wasseroberfläche. Viele Insekten haben ihre Kinderstube nur im sauberen Gebirgsbach (-fluss). Also kein sauberes Wasser, keine Insektenlarven (zB. Köcherfliegenlarven, aber auch kleine Fische und Amphibien) und ohne die keine Wasseramsel.
Wie? Welcher Singvogel fängt denn schwimmend unter Wasser Insekten?

Tatsächlich würdet wohl niemand erwarten, das es ein Schwimm- und Tauchvogel ist und ein Singvogel. Er trägt nicht von ungefähr seinen Namen auf Grund der Ähnlichkeit zur Amsel.
Erwähnt habe ich ihn dieses Frühjahr schon einmal, viele von Euch kannten die Wasseramsel gar nicht. Durchaus bevorzugt sie schnellere und eben auch artenreiche Flüsse. Dort findets sich dieser unscheinbar,e braune Vogel mit dem weißen Lätzchen (wenn sie erwachsen sind). Die recht kurzen Flügeln dienen ihm nicht nur zum Fliegen, sondern auch zum schwimmen, um dort seine Beute zwischen den Steinchen zu suchen. Mit dem oft aufgestellten Schwanz hält er Balance. Die langen, kräftigen Beinen dienen zum unter Wasser laufen. Auch aus dem Fluge stürzt er sich in den Fluss und navigiert geschickt, die Flügel wie Flossen nutzend. Mit Luftpolstern unter den Flügeln verhilft er sich zum pfeilschnellen Auftauchen und kommt so wieder in den Flug. Das Skelett des kleinen Vogels hat, im Gegensatz zu anderen Vogeln, keine Hohlräume und wiegt mehr, so was brauchen Taucher. Das Gefieder ist kälte- und wasserabweisend durch das Fett aus der großen Bürzeldrüse. Stetig verteilt sie mit dem Schnabel dies, um immer ein stets gut gefettetes Federkleid zu haben. Ihre Augen, (auch Ohren und Nase) schützt sie mit einer sogenannten Nickhaut. Fünf bis zehn Sekunden kann so eine Suche zwischen den Steinen am Wassergrund dauern. Wird einmal ein Fischen erbeutet, wird dieser erst etwas mürbe geklopft und dann verschluckt. Köcherfliegenlarven werden durch Schlagen des Gehäuses auf Steine zum Rauskriechen gezwungen.

Amseln und Wasseramsel sind übrigens nicht miteinander verwandt. Amseln gehören zur Familie der Drosseln. Weltweit gibt es mehrere Wasseramsel (Cinclus) und sie bilden mit fünf Arten die Gattung der Cinclidae. Sie gehören zu den Sperlingsartigen. Singen können sie übrigens auch, aber das Wasserrauschen übertönt ihr Zwitschern. Vermutlich zeigen sie ihr Revier eher durch Flüge über die Wasseroberfläche an.

Schon im Herbst findet sich ein Paar und im Januar oder Februar beginnt die Balz. Das Männchen sucht den Platz aus. Eine Stelle hinter und durch Wasserströmung geschützt, in überhängenden Felsen, Bäume. Dort wird kunstvoll mit Moos, Gras und anderen Naturmaterialien ein kugeliges Nest gebaut. Dieses wird auch gern wieder genutzt. Die Vögel sind recht standorttreu.
Etwa fünf Eier werden gelegt und vom Weibchen bebrütet. In der Zeit (16-17 Tage) füttert das Männchen es. Nach etwa 20 Tagen verlassen die Nestlingen ihr Heim und können schneller schwimmen als fliegen. Beide Eltern füttern.


Da der Vogel mit seiner Umgebung durch das dunkelbraune Gefieder fast verschmilzt, übersieht man sie oft. Erst wenn sie sich blitzschnell nach Beute in das Wasser stürzen, sieht man sie vielleicht durch die Bewegung. Denn eigentlich ist der Bestand nicht gefährdet, da deutsche Flüsse und Bäche sauberer, sauerstoffreicher geworden sind und Renaturierung betrieben wird. Denn auch begrünte, bewachsene und natürliche Flussufer möchten sie gern haben. So gern sie schnellfließendes Wasser hat, so braucht sie dazwischen auch seichte und ruhigere Zonen. Im Winter ziehen die Vögel aus dem Norden mehr gen Süden.

Im Volksmund wird sie übrigens gern auch Wasserstar oder Bachamsel genannt. Und es erschien mir ein perfekter Vogel für die sommerliche Zeit, wo es so warm wird, dass wir gern im Wasser planschen. Ich bin froh, dass wir hier nicht überall am Fluss sein dürfen, baden dürfen. Denn der Fluss sollte doch den dort lebenden Tieren zu definitiv größeren Teilen gehören. Zumal sich so viele Leute wie … verhalten. Oder könnt Ihr Euch vorstellen, dass dieser Vogel in einem Einmalgrill brütet?

Verlinkt bei Andreas Jahresprojekt Und Andreas Samstagsplausch und dem Creativsalat



















































