Schwarzkittel

Hallo Ihr Lieben.

Das letzte Mal ging es vor allem um einen schwarzen, besonderen Vogel. Dieses Mal ist es ein schwarz – braunes Säugetier.

Ihr kennt sie sicherlich und habt beim Spitznamen „Schwarzkittel“ auch schon gewußt, um welche Tiere es geht: wilde Schweine.

Wildschweine (Sus scrofa)

Oft lest Ihr in den Medien über sie, gerade leider besonders oft über die Schweinepest, welche im Sauerland und Wittgensteinschen ausgebrochen ist. Oder es hat einen Wildunfall auf der Straße gegeben. Mitten in manchen Städten leben auch Rotten (so nennt man die Gruppen) und sorgen natürlich auch mal für Schlagzeilen, wenn sie bei der Nahrungssuche auch mal etwas zerstören.

Ein Waldtier, welches wirklich besonders interessant ist. Man könnte sicher ohne Probleme ein Buch über sie schreiben, 😉 (gibt es schon).

Sie malen gerne, sind sehr intelligent und folgen der stärksten Frau. Sie verfügen über Zeitgefühl und können „gute Menschen von bösen“ unterscheiden. Sie merken sich Begegnung und Erfahrung genau.

So vielseitig und anpassungsfähig sind sie fast überall unterwegs, auch in der Großstadt. Berlin ist da ein gutes Beispiel.

Paarhufer sind sie und gehören zur Familie der Schweine und sind die Vorfahren unserer Nutzschweine. Nach den Schafen waren sie wohl die älteste Domestizierung vor ca. 10.000 Jahren. Das Wort Schweine für diese Säugetierfamilie ist altgermanischen Ursprungs.

Ihr dichtes Fell mit starken Borsten, die im Sommer heller und braun-schwarz sind, werden im Winter dichter, länger, voller Unterwolle und überwiegend schwarz. Daher der umgangsprachige Name “Schwarzkittel” oder eben auch Schwarzwild.
Die Jungen, Frischlinge genannt, sind hellbraun und mit längsgestreiftem Fell ganz hervorragend getarnt. Die Größe der Erwachsenen Tiere schwankt in Abhängigkeit von der Region, auch innerhalb von Deutschland mit etwa 100 bis 150 kg. Die Gewichtsfrage hängt natürlich auch vom Futterangebot ab (über einen längeren Zeitraum). In osteuropäischen Ländern werden sie noch schwerer. Die einzelgängerischen, männlichen Tiere werden massiger und auch ihre Eckzähne, die seitlich so typisch gebogen aus dem Kiefer ragen, werden beim männlichen Tier (Eber) größer. Eckzähne dienen als Waffen bei Brunftkämpfen, die schwere Wunden verursachen können, nicht nur bei anderen Wildschweinen. Bei weiblichen Tieren sind diese nicht so stark ausgebildet. Wenn, dann haben die alten Tiere, die leitenden Sauen, stärkere Eckzähne.

mit Aquarellstiften gemalt

Die weibliche Tiere (Sau) leben in sozial sehr gut organisierten Gruppen. Eine erfahrene, starke Sau führt die hierarchisch aufgestellte Gruppe an. Sie hat am meisten Erfahrung. Fehlt sie, gibt es Unruhe.

Sie sind Allesfresser. Ein Grund, warum sie sich in den letzten Jahren/Jahrzehnten so gut verbreitet haben. Das Nahrungsangebot ist gestiegen, auch durch Müll. Auch die milden Winter haben dazu geführt,  dass es viel mehr und häufiger Nachwuchs gibt. Normal haben früher die starken, weiblichen Tiere nach dem Winter ihre Ferkel bekommen. In Mitteleuropa beginnt die Paarungszeit meistens im November und endet im Januar oder Februar. Die weiblichen, älteren Tiere bestimmen den Zeitpunkt, die einzelgängerischen, männlichen Schweine halten sich dann in der Nähe der paarungsbereiten Sauen auf. Heute hat sich das verändert. Jungtiere können, da die Winter nicht mehr so streng sind und ihnen ausreichend Nahrung zur Verfügung steht, schon nach 8 – 10 Monaten geschlechtsreif werden. Männliche Tiere sind in der Regel erst im zweiten Lebensjahr fortpflanzungsfähig. Dadurch ergibt sich eine viel größere Reproduktionsrate und eine Auslese durch den Winter findet auch kaum noch statt. Außerdem ist die Fortpflanzung theoretisch ganzjährig möglich. Die Geburt findet in einem Nest, einem Wurfkessel statt, die Junge werden 3 – 4 Monate gesäugt, die Mutter separiert sich einige Tage von der Gruppe.

Aber nun zum interessanteren Teil des Wildschweins, seine Rolle im Ökosystem und seine herausragende Intelligenz.

Das fängt schon bei der Kommunikation an, die aus verschiedenen Lauten besteht. Wildschweine haben sehr viele Lautäußerungen. Ihre Grunzlaute kennt Ihr sicher auch, wenn Ihr schon mal Hausschweine gehört habt. Auserdem warnen sie bei Beunruhigungen und Gefahren mit weit hörbaren Schnaufen und Blasen. Bei Schmerzen oder Angst kreischen sie laut und durchdringend. Wütende Keiler schlagen ihre Eckzähne klappernd und laut aufeinander. Die Leitsau gibt mit ihrer Erfahrung den „Ton an“, weist den Weg, schätzt Gefahren ein und gibt ihr Wissen weiter. Die Bindung der Schweine untereinander ist stark, nur männliche Tiere ab 2 Jahren müssen die Gruppe verlassen. Der Bestand an Wildschweinen ist in den letzten Jahren trotz Bejagung immer weiter gestiegen.

Schweine lernen sehr schnell. Schützt ein Bauer zB sein Kartoffel- oder Getreidefeld mit einem lärmenden Radio, so hilft das nur kurz. Die Sauen gehen auf Abstand und dann wird beobachtet. Stellen sie fest, dass sich nichts ändert und keine Gefahr droht, wird weiter gefressen. Junger Mais und Getreide und Kartoffeln sind einfach zu lecker. Genau wie im Wald pflügen sie die Erde mit ihren Schnauzen um und streifen milchsüße, weiche Körner ab. Ein Feld kann so in einer Nacht verwüstet werden. Manchmal verlieren sie die Scheu vorm Menschen so stark, dass sie auch Gärten verwüsten. Wie gesagt, sie beobachten genau und lernen, dass keine Gefahr droht.

Ihre Schnauzen sind widerstandsfähig und hart und trotzdem mit einem feinen Geruchssinn ausgestattet.

von Wildschweinen aufgebrochene Erde

Wenn sie den Boden im Wald so umgraben, lockern sie ihn, schieben alte Grassoden bei Seite und bereiten ihn für neue Samen gut vor. So werden auch Nährstoffe verteilt. Durch das Suchen und Fressen von Schadinsekten halten sie selbige auch kürzer. Was übrig bleibt, wird von Vögeln gerne noch abgesucht. Auch Mäusenester werden dabei gefunden und geplündert. Da sie gerne Pilze fressen, wird durch Suche und Exkremente das Mykorrhiza, die Pilzsporen verteilt. Bäume gehen mit Pilzen Symbiosen ein. (Manchmal kommt es bei der großen Suche zu Forstschäden in jungen Anpflanzungen.)

Ich hoffe, Ihr könnt auf dem Foto die aufgebrochene und umgegrabene Erde sehen. Am Wasser sind sie besonders gerne, dort machen sie Körperpflege, suhlen sie sich im Schlamm und schubbern sich dann an ihren „Malbäumen“. Diese erkennt man durch den „angemalten“ Schlamm gut, sie sind auch Markierungen.

Wenn Euch übrigens im Wald mal salziger, würziger Geruch in die Nase steigt, dreht lieber um. Dann ist vielleicht eine Rotte/Gruppe Sauen vor Euch. Und wenn sie Jungtiere bei sich haben, was mitlerweile sehr wahrscheinlich der Fall ist, sind sie auch sehr wehrhaft. Bei Gefahr bilden sie einen Kreis, die größeren Sauen greifen bei Bedrängnis an und dabei sind sie durchaus gefährlich. (Ihre Eckzähne sind dafür gute Waffen). Ich will Euch damit keine Angst machen, die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, dass Euch dies passieren kann.

Krafttier Eber mit keltischen Formen, Linoldruck

Diesen Eber habe ich schon vor Jahren geschnitzt

Wildschweinstempel

Wildschweine fressen u.A. im Wald Früchte, Engerlinge, Würmer, Wurzeln, aber auch Aas. Die Nase des Schweins ist besser, als die von Hunden. Nicht umsonst werden sie für die Trüffelsuche genutzt. Im Gegensatz zu diesem leistungsfähiges Such- und Wühlwerkzeug sind die Augen klein und nicht so leistungsfähig, der Gehörsinn aber wiederum wieder viel besser. Schlieslich sind sie dämmerungs- und nachtaktiv. Im Wald sind sie am liebsten in unzugänglicheren Dickungen, kaum einsehbar von außen. Sie sind ausdauernde Läufer und hervorragende Schwimmer.

Übrigens, Spuren von Wildschweinen sind im Matsch eher zu entdecken, als sie in persona zu sehen sind. Es ist aber nicht immer ganz einfach Rehspuren von Wildschweinen zu unterscheiden. Bei deutlichen Abdrücken sieht man die kleineren, hinteren „Afterklauen“, wenn Rehe aber tiefer einsinken, ähneln sie sich sehr, vor allem, wenn es jüngere Schweine waren. Sie können zwischen 8 und 10cm lang sein.

Durch ihre nun hohen Bestände und ausgiebigen Wanderungen verbreitet sich leider die Schweinepest stärker und kann Hausschweine anstecken. Keine Sorge, es ist ein reiner Tierseuchen Erreger und nicht auf den Menschen übertragbar. Aber wenn so ein ganzer Stall voller Schweine getötet werden muss…

Schon seit Urzeiten begleitet dieses Tier den Menschen. Wie oben geschrieben, stammt nicht umsonst unser Hausschwein von im ab. Der keltische Gott Moccus oder Moccos symbolisiert Kraft, Wildheit und auch wohl Reichtum. Auch auf Hawaii gibt es einen Eber Gott: Kamapua’a mit ähnlicher Bedeutung. In der Japanischen Kultur gibt es ebenfalls Wildschweine, die Stärke, aber auch Wohlstand bedeuten. Die nordische Göttin Freya hat ein goldenes Wildschwein als Begleiter.

In der Märchensammlung der Gebrüder Grimm gibt es die Erzählung: „Der singende Knochen“ und „Das tapfere Schneiderlein“ wo es u.A. um einen wilden Eber geht, der das Land verwüstet.

Ein imposantes und interessantes Tier, welches wir eher in Wild-Gattern zu sehen bekommen. Und wenn nochmal wer zu Euch „dumme Sau“ sagt, wisst Ihr nun, dass es eigentlich ein Kompliment ist, so clevere wie sie sind.

Ich hoffe, auch dieser Ausflug war für Euch schön und lesenswert. Ein weiterer Beitrag  zum Jahresprojekt und verlinkt bei der Zitronenfalterin.

Und beim creativsalat und Samstagsplausch und magic craft

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