Hallo Ihr Lieben.
Diesen Monat habe ich mir schwerpunktmäßig den größten heimischen Specht für mein Jahresprojekt rausgesucht. Krähengroß, pechschwarz mit roter Mütze und einem sehr zurückgezogen Leben und auch noch eine Schlüsselart in unseren Wäldern, das ist der Schwarzspecht.
Schwarzspecht (Dryocopus martius), König der Spechte, Zimmermann oder Baumeister des Waldes, angesehen als „Gesundheitspolizei“, da er Holzschädlinge beseitigt.

Wir treffen den immer noch nicht so oft vorkommenden, großen Vogel gern in alte Laubwälder im Schwarzwald, den Mittelgebirgen, Schwäbichen Alb und Bayrischen Wald an. Die Zahl der Brutpaare wird in unterschiedlichen Quellen mit unterschiedlichen Zahlen zw 31.000 bis 51.000 und sogar 55.000 Brutpaaren angegeben. Dank des Schwarzspechtes ist die Artenvielfalt in diesen Wäldern besonders hoch: Viele andere Wildtiere sind als Nachmieter auf die geräumigen Höhlen unserer größten Spechtart angewiesen. Deswegen gehört dieser besondere Vogel zu einer der „Schlüsselarten“. Das sind besonders wichtige Tiere im Ökosystem. Erst einmal mehr zu diesem schönen Vogel:
Alter bis zu 14 Jahre
Gewicht 300g, größter europäischer Specht, 40cm Größe
Unverwechselbar macht diesen schwarzen Vogel der Haarschopf, der ist immer knallrot, beim Männchen als schmales Band, beim Weibchen als kleinerer Fleck am Hinterkopf. Die Augen fallen durch ihren weißen „Augenringe“ im schwarzen Gefieder auf. Auch der Schnabel ist hell.
Lautes Hämmern, bzw Trommeln tönt jetzt im Februar durch den Wald. Noch grenzt man/frau sich ernergisch gegen Artgenossen ab. Die Einzelgänger kommen sich nur sehr langsam näher, selbst wenn sie, als ehemaliges oder sich gerade bindendes Paar, nie allzuweit voneinander entfernt haben. Wie andere Spechte bauen sie mit ihrem Schnabel große Baumhöhlen. Sie schlagen außerdem hungrig die Gänge von Baumlarven auf, und selbst in der Balz ist das Hämmern an Baumstämmen ein wichtiges Ritual. Damit sie dabei keine Kopfschmerzen bekommen, sind im Kopf von Spechten diverse Stoßdämpfer eingebaut: die Stöße werden gleichmäßig auf den Ober- und Unterschnabel verteilt und durch schwammiges Knochengewebe an der Schnabelbasis abgefedert. Das reicht aber noch nicht aus, auch Augäpfel, Zungenbein und Halswirbel sind abfedernd dafür angelegt.
Um an einem Baumstamm hoch zu klettern und anhalten und loszuhämmern zu können, haben Spechtfüße eine weitere nach hinten gerichtete Zehe (2 vorn, 2 hinten) und besonders lange Schwanzfedern, mit denen sie sich am Baumstamm abstützen (Stützschwanz). Ein langer, mit stützenden Muskeln bepackte Hals, hilft zusätzlich zur schwammigen Knochenverbindungen.
Seine Zunge kann dieser Vogel bis zu 5cm aus dem Schnabel heraus strecken. Die Zungenspitze ist klebrig und mit Widerhaken besetzt, so kann er die Insektenlarven aus ihren Holzgängen ziehen.
Zurück zu unserem Brutpaar: hat sich dieses zur Brut und Bruthöhle gefunden, gehört Trommeln natürlich auch weiterhin zur Balz. So sitzt ein Vogel innen, klopft und der andere außen und klopft auch. Leiser rufen sie sich dabei zu. Der Schwarzspecht hat übrigens besondere Rufe, (nicht das sponst bekanntere „Lachen“,) auch sein Trommeln klingt dunkler, hört mal „hier“ (deutsche Vogelstimmen.de) Ich finde, die klingen richtig exotisch.
Das Revier wird dann noch längere Zeit durch Rufe und Hämmern auf Resonanzkörper abgesteckt und verteidigt. Diese Vögel sind sonst aber Ruhe liebend, störungsanfällig und brauchen ihr großes Revier von ca 3 bis 4 Quadratkilometer pro Paar. Im April kommt es dann nach diesen Ritualen zur Paarung: auf einem geeigneten Ast und mit Flügelzittern erfolgt die Koppulation.
Schwarzspechte suchen nicht nur nach Insektenlarven, vor allem im Sommer stehen Weg- und Holzameisen, auch Schnecken und vereinzelt Früchten auf dem Speiseplan. Die findet er vielfach im Todholz und unter Rinden. Im Winter kommen hauptsächlich Waldameisen „auf den Teller“. Und hier kommt er gerade jetzt als wichtiger Vogel ins Spiel. Meist findet er diese nämlich in Fichten, die einen „rotfaulen“ Kern haben. Durchaus also ein Indiz, wenn vermehrte Specht Tätigkeiten dort stattfinden. Als Rotfäule bezeichnet man den anfänglich rötlichen Pilzbefall bei Nadelhölzern, dadurch wird dieser weiche Kern, der nun immer instabileren Bäume, die bevorzugte Wohnstätte der Ameisen:

Seine Wohnräume sucht der Schwarzspecht aber ganz anders aus: hohe, alte und stabile Buchenbäume. Mindestens 40 cm Durchmesser, die für den Bau einer geräumigen Höhle genügend Raum geben. Im Alter von ca 100 Jahren bilden Buchen oft hallenartige Baumbestände mit einem hohen Kronendach. Wälder müssen also sowohl Nadel- als auch Buchenbäume für Schwarzspechte haben.
Die Bruthöhle befindet sich in 6 bis 20 Metern Höhe und so kann er ungehindert anfliegen. Seine Höhle baut der Schwarzspecht fast ausschliesslich in Buchen mit einem weissfaulen Kern. Ähnlich wie bei den Fichten sind diese von einem Pilz befallen. Dadurch wird der Kern faserig und für den Specht besser bearbeitbar. Von Außen ist der Befall eigentlich noch nicht zu sehen, aber der Schwarzspecht erkennt es an Vibrationen beim Trommeln und er findet auch die dünnere Seite für den Höhleneingang. Fast einen Monat brauchen sie zur Fertigstellung und wenn Ihr denkt, nun haben sie ausgesucht, dem ist nicht so. Ich erwähnte da ja schon oben, dass es Nachmieter gibt. Alle 3 bis 5 Jahre legen die Schwarzspechte zuerst nur einen kleinen Eingang an, der ausfault, fast wie eine Markierung. Erst Jahre später bauen sie den Eingang zu einer richtigen Höhle aus, erkennbar an der rechteckigen, bzw ovalen Höhlenöffnung, durch die die Vögel ein und ausfliegen können.
Diese Behausung wird clevere angelegt: es wird ein Oberrand über der Öffnung gelassen und aussen ein abgeschrägten Unterrand. Das schützt die Höhle vor einem Wassereinbruch. Manchmal wird so eine Buche auch mehrfach für Höhlen genutzt, bis sie nicht mehr stabil ist.
Die Schlafhölen fliegen die Vögel abends vor Sonnenuntergang an, begleitet von lauten “krrück, krrück…“ Flugrufen, wie ein wiederkehrendes Ritual. Die Schlafhöhlen von Weibchen und Männchen liegen oft mehrere 100 m auseinander. Im April legt das Weibchen 3-5 weiße, runde Eier in die Bruthöle und beide brüten Tagsüber, aber nur nachts brütet das Männchen, während das Weibchen in der eigenen Höhle übernachtet. Nach 13 Tagen schlüpfen die Küken. Ab dem 17. Tag füttern die Elternvögel aber unter dem Höhleneingang und ab dem 24. Tag nur noch an der Aussenseite der Höhle. So werden die Jungvögel herausgelockt und müssen ihre Kletterfähigkeiten üben, die sind nicht angeboren.
Das Schwarzspechtmännchen übernimmt mehr Aufzuchtarbeit, mit 28 bis 30 Tagen werden die Jungen von ihm in dichteres Unterholz geführt. Das Männchen füttert sie dort noch bis zu einem Monat lang, während die Jungvögel das Klettern weiter üben. Dann löst sich die Familie auf.
Oben habe ich geschrieben, dass der Schwarzspecht eine Schlüsselfunktion im Wald einnimmt. Sage und schreibe über 60 Tierarten sind als Nachnutzer oder Höhlen-Konkurrenten des Schwarzspechts bekannt. Eichhörnchen, Baummarder, Sperlings- und Raufusskauz, Kleiber, Dohle, Star, Fledermäuse, Hornissen und Wespen nutzen die Höhlen nicht nur zur Fortpflanzung. Der Laubbaum lebt ja auch noch länger weiter, viel länger, als die befallene Fichte. Vor alten, faulenden Höhlen entsteht mit der Zeit Mulch mit einer Ansammlung aus „Spechtguano“ und sich zersetzendem Holz. Neuer Lebensraum für zahlreiche Käferarten, darunter der äusserst seltene Juchtenkäfer oder der Eremit. Der Marder geht die Höhlen übrigens gerne plündern, kontrolliert sie auch noch jahrelang. Nicht so gut für Nachbrüter.
Warum ich die Hohltaube so hervorhebe? Jahrelang war der Schwarzspecht so selten, dass man fürchtete, er würde in Deutschland verschwinden. Und damit eben auch die Hohltaube. Denn sie „liebt“ Schwarzspechthöhlen, ist für die Brut darauf angewiesen. Sie versucht sie sogar dem Specht abspenstig zu machen, gleich wenn er sie gebaut hat. Da die Taube Nistmaterial in die Höhle schleppt, kann sie aber auch eine etwas marodere Höhle nutzen.
Hohltaubenlied (auch deutsche Vogelstimmen.de)
Diese Tauben sind mittlerweile auch Kulturfolger und manchmal in großen Parks zu hören, natürlich auch in Wäldern und sogar an der Küste (Steilhang als Brutgebiet wohl). Zivilisationsnah werden fehlende Baumhöhlen mittlerweile ausgeglichen mit ausreichend großen, extra aufgehängten Nistkästen. Viele Hohltauben nehmen diese gerne an. Sie sind sehr scheu und nicht so schnell zu entdecken, aber dagür zu hören. Wie der Name sagt, braucht sie eine Höhle zum Brüten. So gab es lange Jahre auch kaum Hohltauben. Früher wurden eben viel mehr die alten, „befallenen“ Bäume, das Totholz entfernt. Schon seit etlichen Jahren werden aber immer mehr Mischwälder geschützt und viele wissen, dass ein aufgeräumter Wald ein (fast) toter Wald ist. Der Erhalt von Altbäumen und Altholzinseln sowie Bäumen mit Großhöhlen, hat über nun einige Jahrzehnte zur Bestandserholung vor allem im Süddeutschen geführt.

(Beide Fotos sind aus meinem Naturführer)
Diese Taubenart ähnelt etwas der „Straßentaube“. Allerdings ist der Unterflügel und Rücken grau, während diese Bereiche bei der Felsen- und Straßentaube weiß sind. Sie bilden auch Kolonien und Schwärme, bzw schließt sich Schwärmen an. Die Nahrungssuche findet natürlich überwiegend in offeneren Bereichen statt. Früchte und Samen von Wildkräutern und Zapfen, auch Eicheln und Bucheckern landen im Kropf. Sicher gäbe es noch mehr über Fortpflanzung und Taubenleben zu berichten, aber näher möchte ich nicht auf sie eingehen, der Artikel ist ja auch wieder sehr lang geworden
So zeigt sich in vielfacher Hinsicht und für viele Tiere im Wald, wie wichtig es ist, dass wir ihnen auch etwas Raum lassen, aber auch in Ruhe lassen (zB. nicht von den Wegen abweichen). So entsteht eine ganze Kette von Lebensräume und ein viel intakteres Ökosystem. Wer das erkannt hat, hat auch einen gesündere Wald.
Übrigens, weil der Schwarzspecht recht kämpferisch daher kommt, ist der wissenschaftlicher Artenname martius (deutsch: dem Mars geweiht) dem römischen Kriegsgott „geweiht“. Aber auch dem Nebengott Picus, der eine landwirtschaftliche Gottheit war, die insbesondere mit der Düngung von Boden in Verbindung gebracht wurde, ist er verbunden.
Verlinkt bei der Linksammlung der Zitronenfalterin für unsere Jahresprojekte, Astrid „mein Freund der Baum“, creativsalat und magic crafts
Kurz in eigener Sache: ich weiß, KI ist verführerisch, aber ich nutze sie nach wie vor nicht. Ich lese in meinen Büchern, auf Forstseiten, Naturseiten von Verbänden/Vereinen und Naturparks, Wikipedia. Ich trage das Wissen für meinen eigenen Schädel zusammen und mag es, wenn daraus ein halbwegs guter Beitrag wird, mal besser mal schlechter, der dann (trotz Länge) auch weiterhin hoffentlich Euch gefällt.
